Glocke kehrt als Leihgabe nach 110 Jahren in ihre Heimatkirche zurück

Nachricht Grasdorf, 20. Oktober 2019

Verkauft an das Roemer- und Pelizaeusmuseum / Für vier Jahre zurück

Über die Rückkehr der Glocke nach Grasdorf freuen sich (v. l.) Museumskurator Dr. Stefan Bölke, Kirchenvorstandsvorsitzender Norbert Priebe, Superintendentin Katharina Henking und Pastor Peter Michael Wiegandt. Foto: Frank Dörrie

Grasdorf. Mit einer besonderen Attraktion kann die Nikolaikirche in Grasdorf aufwarten: Mitte September kehrte die romanische Glocke - eine der ältesten ihrer Art in Norddeutschland - in ihre Heimatkirche zurück, wo sie über acht Jahrhunderte zuverlässig ihren Dienst getan hatte. Dann, vor nunmehr 110 Jahren, wechselte sie für 1600 Reichsmark den Besitzer und ging in das Eigentum des Hildesheimer Roemer- und Pelizaeus-Museums über. Dort führte sie zeitweise eher „ein Schattendasein, wurde von hier nach dort geschoben“, erinnert sich Kurator Dr. Stefan Bölke.

Dann die zündende Idee: Warum die Glocke nicht - anstatt sie in ein nüchternes Gewerbegebiet auszulagern - an ihren Heimatort zurückgeben? Gesagt, getan: Nun können Gottesdienst- und andere BesucherInnen der Kirche seit dem 17. September den gut ein Meter hohen Klangkörper im Turmraum der Kirche bestaunen. „Vier Jahre lang, 365 Tage“ - wie Peter Michael Wiegandt am Freitag bei der Festandacht aus Anlass der Glockenrückkehr betonte. Danach wird die Glocke ins Museum zurückkehren als Teil einer Ausstellung der kirchengeschichtlichen Sammlung. Die Kirchenbänke waren gut gefüllt, als der Gemeindepastor die Glockengeschichte Revue passieren ließ. Zu den Zuhörenden gehörten zahlreiche Helfer, die den schwergewichtigen Koloss an seinen neuen Standort gehievt hatten. Für ihr tatkräftiges Engagement sprach Pastor Wiegandt allen Beteiligten seinen besonderen Dank aus.

Mit drei Schlägen der betagten Glocke wurden die BesucherInnen der Festandacht begrüßt, zur besonderen Freude auch von Superintendentin Katharina Henking, die in Abwandlung eines Romanzitats bekannte: „Ich möchte nicht in einer Welt ohne Glocken leben“. In ihrem geistlichen Grußwort kennzeichnete sie Glocken als „Begleiter durch die Zeit“, die nicht nur zur Teilnahme an Gottesdiensten einladen, sondern auch Kunde geben von traurigen wie freudigen Ereignissen. Von den ersten steinernen Kirchen in der Region und den unterschiedlichen Funktionen ihrer Türme erzählte Pastor Wiegand und spannte einen Bogen bis in die Gegenwart, in der Glockengeläut den einen ein Ärgernis, den anderen - Kranken etwa - ein hoffnungsvolles Zeichen bedeute.

Über den gelungenen Transport von Hildesheim nach Grasdorf freute sich auch Dr. Stefan Bölke. Schließlich sei Millimeterarbeit geleistet worden, und der Glocke das Schicksal erspart geblieben, in einem nüchternen Zweckbau für viele Monate ein unbeachtetes Dasein zu fristen. „Sie steht hier richtig gut“, freute sich Bölke, erinnerte aber auch daran, dass es sich lediglich um eine Leihgabe des Museums handele und sie in vier Jahren nach Hildesheim zurückgebracht werden muss. Werner Harenberg, der mit schwerem Gerät die Glocke zur Grasdorfer Kirche transportiert hatte, bekam denn auch gleich von Pastor Wiegandt zu hören: „Herr Harenberg, der Fendt-Frontlader muss bis dahin noch halten!“  Frank Dörrie