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Doppelter Advent für Alfeld

Nachricht 27. November 2011

500 evangelische Christen feiern in St. Nicolai die Ankunft ihrer neuen Superintendentin Katharina Henking

„Eine Superintendentin ist kein Heiland“, sagte Christian Castel, „aber ihre Ankunft wurde in Alfeld doch sehnlich erwartet.“ Die fast bis auf den letzten Platz gefüllte Alfelder St. Nicolai-Kirche gab ihm Recht: Rund 500 Menschen kamen am ersten Advent zum Gottesdienst, um bei der offiziellen Einführung der neuen Superintendentin Katharina Henking dabei zu sein. Gemeinsam mit Christian Castel bildet sie nun die Doppelspitze des großen Kirchenkreises Hildesheimer Land-Alfeld.

Die Atmosphäre in der St.-Nicolai-Kirche war festlich: Das Hauptschiff wurde nur von Kerzen beleuchtet, über dem Altarraum schwebte der große Adventsstern. Rund zwei Dutzend Pastoren aus dem ganzen Kirchenkreis nahmen teil und verliehen der Amtseinführung einen feierlichen Rahmen.

Unter den Gottesdienstbesucher/innen befand sich auch eine ganze Busladung voller Menschen aus Rosdorf, der Gemeinde bei Göttingen, in der Katharina Henking zuletzt Pastorin war. Landessuperintendent Eckhard Gorka griff den Ball bei seiner Ansprache auf: „Katharina Henking tat das für viele Mitarbeitende der Kirche Unvorstellbare“, hob er an und verursachte damit bei der Angesprochenen ein Stirnkräuseln, das sich schnell in ein Lachen verwandelte, als Gorka den Satz zu Ende führte: „Sie hat Göttingen verlassen.“

Der Landessuperintendent wies darauf hin, dass sich mit der Doppelspitze „eine bislang einmalige Rechtskonstruktion“ ergeben hat: Der Kirchenkreis Hildesheimer Land-Alfeld ist der erste in der Landeskirche, der von zwei Superintendenten mit ihren jeweiligen Aufsichtsbereichen geleitet wird – ein Modellversuch, der zukunftsweisend für andere Kirchenkreise sein kann, wenn er gelingt.

Katharina Henking überließ es an ihrem ersten Tag im Amt anderen Rednern, über den Umbruch der Kirche und die Herausforderungen der Zukunft zu sinnieren. Sie selbst besann sich auf das Wesentliche und nahm die Bibelstelle über das „Buch mit den sieben Siegeln“ aus der Johannes-Offenbarung als Anlass zu einer rein theologischen Betrachtung. Für Kirchenpolitik war hier kein Platz.

Beim anschließenden Empfang im Lutherhaus begrüßte Bernd Leonhard als Vorsitzender des Nicolai-Kirchenvorstands noch einmal hunderte von Menschen. Sie bildeten eine lange Schlange, um Katharina Henking willkommen zu heißen. Bürgermeister Bernd Beushausen brachte Katharina Henking ein spezielles Geschenk mit – „die Tür meines Dienstzimmers ist immer für Sie offen“ – und Landrat Rainer Wegner hob Gemeinsamkeiten hervor: „Wir kümmern uns beide um die Menschen in unseren Gebieten.“

Den größten Applaus erntete der katholische Pfarrer Manfred Barsuhn bei seinem Grußwort. Eigentlich habe die katholische Kirche den gleichen Termin für die Einführung des neuen Pfarrers ins Auge gefasst. „Aber nein, das geht nicht“, stellte Manfred Barsuhn gut gelaunt klar, „die ehrwürdige evangelische Kirche hat hier Vorrang.“ Katharina Henking beendete schließlich den offiziellen Teil mit einer Einladung an die Menschen in Alfeld: „Ich würde mich so freuen, wenn die Superintendentur ein Ort würde, an dem man einfach mal vorbei schaut.“