Ein Fest für Leib und Seele

Nachricht Alfeld, 31. Oktober 2013

Katharina bittet zu Tisch – und hunderte von Menschen folgen der Einladung

Alfeld. Die Feier des Reformationstages wurde in Alfeld zu einem großen Fest. 340 Menschen besuchten den Gottesdienst in der voll besetzten St.-Nicolai-Kirche, anschließend kamen mehr als 200 Gäste zum Bürgermahl ins Lutherhaus. Zum zweiten Mal gab Superintendentin Katharina Henking das Motto „Katharina bittet zu Tisch“ aus – in Anspielung auf ihre Namensvetterin Katharina von Bora, Martin Luthers Ehefrau, die für ihre Gastfreundschaft bekannt war.

Dass die christliche Gemeinschaft auch vom miteinander Essen lebt, davon ist Alfelds Superintendentin Katharina Henking überzeugt: „Nahrung für Leib und Seele ist gleichermaßen wichtig. Der ganze Mensch ist im Blick.“ Ihr eigentliches Anliegen aber ist es, den Reformationstag ins Bewusstsein der Menschen zurückzuholen. In Alfeld geschieht dies auf eine ganz besondere Weise: Zunächst durch eine musikalischen Andacht, die vom Ephoralen Quartett „plus zwei“ und dem Posaunenchor St. Nicolai gestaltet wurde. Und dann mit mittelalterlichen Speisen und Getränken im durch hunderte von Kerzen erleuchteten Luthersaal.

Im Gottesdienst hielt der ehemalige Lüneburger Landessuperintendent und Bischofsvikar Hans-Hermann Jantzen eine packende Ansprache zu den Seligpreisungen aus der Bergpredigt. „Wer’s glaubt, wird selig“: Mit diesem Sprichwort begab sich Jantzen in theologische Tiefen und politische Untiefen, in denen es auch um die Flüchtlingsdramen bei Lampedusa ging.

Anschließend begann im Lutherhaus der gemütliche, folkloristisch-ausgelassene Teil des Abends. Im vorigen Jahr hatten wegen des unerwarteten Andrangs Menschen wieder nach Hause geschickt werden müssen, diesmal hatte das 16-köpfige ökumenische HelferInnenteam vorgesorgt und Tische für 180 Gäste eingedeckt. Doch nicht einmal die reichten, weitere Tische und Stühle mussten heran geschafft werden. „Wir teilen einfach das Brot nach alter christlicher Tradition“, war die Devise von Katharina Henking.

„Unsere Türen stehen jedem offen. Wir legen viel Wert auf Ökumene, denn bei uns zählt das Miteinander“, betonte die Alfelder Superintendentin. Auf den festlich geschmückten Tafeln wurden Brot, Butter, Schmalz und Sahnehering angerichtet. Sechs Frauen hatten zudem etliche Liter Suppe gekocht. Katharina Henking war stolz über das Engagement des Teams und die logistische Meisterleistung, so viele Menschen zu bewirten.

Das Geheimnis der Graupensuppe mit Weißkohl, Möhren, Sellerie, Porree und vielen Kräutern verriet Organisatorin Angelika Anders: „Wir haben Gewürze verwendet, die früher ein Zeichen für Wohlstand waren – Senfkörner, Piment, Pfeffer, Kümmel und Koriander gehören dazu.“

Nach dem Essen gab es im Lutherhaus wieder etwas für die Seele: Das Flötenensemble St. Nicolai und das Ephorale Quartett „plus zwei“ ließen den Abend ausklingen. Madrigale singend zog der Kammerchor durch die Tischreihen, und von der Bühne aus servierten die beiden SuperintendentInnen des Kirchenkreises mit kompetenter Unterstützung witzig-spritzige Volkslieder im poppigen Gewand.