Partystimmung auf dem Tanzparkett

Nachricht Alfeld, 30. Mai 2013

Im Café Alz haben an Demenz erkrankte Menschen eine Menge Spaß

Alfeld. „Und die Hände zum Himmel“ kommandiert Joachim Berndt. Arme wedeln durch die Luft, lachende Gesichter, laute Keyboard-Musik, es herrscht Partystimmung im Alfelder Lutherhaus. Das ist vermutlich nicht gerade, was sich die meisten Leute unter einem Senioren-Tanz vorstellen, erst recht nicht unter einem Tanznachmittag speziell für Demenz-Erkrankte und ihre Angehörigen. Soviel Ausgelassenheit und gute Laune wünscht sich manch einer vergeblich für seine Hochzeitsfeier.

Für das Café Alz jedoch sei diese gute Stimmung ganz normal, erzählt Marianne Möller, die den Tanznachmittag vor sechs Jahren als Angebot der Seniorenakademie ins Leben gerufen hat. Zusammen mit einem Kreis ehrenamtlicher Helfer und unterstützt von Musiker Joachim Berndt bereitet sie einmal im Monat den Gästen einige lustige Stunden. „Am Anfang ging es nur schleppend“, erzählt Marianne Möller. Aber damit habe sie gerechnet, es seien eben erst einmal Hemmungen zu überwinden gewesen.

Inzwischen ist die Veranstaltung so gewachsen, dass ihr Tanzcafé unter dem Dach der Nicolai-Gemeinde in den Saal des Lutherhauses umziehen musste. Bewohner aus mehreren Seniorenheimen in Alfeld, Grünenplan und Winzenburg gehören zu den Stammgästen. Schwieriger sei es, die Menschen anzusprechen, die zu Hause von Angehörigen gepflegt werden. Wer an Demenz leide, scheue oft die Öffentlichkeit, schäme sich seiner Erkrankung, und so gehe es manchmal auch den Angehörigen. Gerade deshalb sei ein solches Angebot wichtig, um die Menschen aus der Reserve zu locken.

Aus jahrelanger Arbeit in der Altenpflege weiß Marianne Möller, dass alte Menschen, die sonst unbeteiligt und gleichgültig wirken, gerade durch Gesang und Musik aufleben. Mit bekannten Schlagern und Volkliedern holt Joachim Berndt die Gäste bei ihren Jugenderinnerungen ab. Kaum sind Kaffeetassen und Kuchenteller abgeräumt, werden Liederhefte auf den Tischen verteilt. Fast alle singen mit, viele auswendig, „Es steht eine Mühle im Schwarzwälder Tal“, klingt es durch den Saal.

Das Singen macht Edith Tröder besonders viel Spaß, seit Jahren kommt sie mit einer Gruppe aus dem St.-Elisabeth-Altenheim regelmäßig ins Café Alz: „Hier kennt mich jeder“, erklärt die 88-Jährige stolz. Als die Tanzmusik erklingt, lässt sie sich auch nicht lange bitten, ruckzuck ist die Tanzfläche voller sich drehender Paare. Männer sind nur wenige da, aber dass Frauen miteinander tanzen, finden hier längst alle selbstverständlich. Joachim Berndt baut immer wieder Pausen ein, damit sich niemand überanstrengt.

Aber man kann ja auch im Sitzen Spaß haben, Singen, Schunkeln, oder Mitklatschen. „Ich habe mich immer gern bewegt“, erzählt Dora Wind, ebenfalls aus dem Elisabethheim. „Mich kannten alle auf dem Fahrrad.“ Heute gehe sie fast täglich mit ihrer Tochter spazieren, und fehle es mal an Begleitung, drehe sie eben ihre Runden im Haus. Auf die Tanznachmittage freue sich Dora Wind immer besonders, sei lange vorher fix und fertig angezogen, erzählt Ute Fürst vom Begleitenden Dienst.

Joachim Berndt hat inzwischen die Polonaise ausgerufen; Christian Möller führt die Menschenschlange an, zur einen Tür raus, zur anderen wieder herein. Und dann wird gleich ein großer Kreis gebildet, der Musiker steigert die Partystimmung noch einmal mit „Komm hol das Lasso raus“. Ein bisschen außer Atem, aber mit strahlenden Gesichtern lassen sich die Gäste anschließend auf ihre Stühle fallen.

Das Café Alz findet immer am letzten Dienstag im Monat von 15 Uhr bis 17 Uhr statt, das nächste Mal am 25. Juni. Die Helfer kochen Kaffee und backen den Kuchen, so dass Gäste nur drei Euro Beitrag für den Tanznachmittag zahlen müssen. Anmeldungen nimmt Marianne Möller unter der Nummer 05181-4733 entgegen.