Ende der Doppelstrategie

Nachricht Hildesheim, 19. Juni 2013

Alt-Kirchenkreise Alfeld und Hildesheimer Land haben seit der Fusion auch finanziell gut zueinander gefunden / 16,3-Millionen-Euro-Etat verabschiedet

Der Kirchenkreistag Hildesheimer Land-Alfeld hat in seiner Sitzung am Mittwochabend den Haushaltsplan für die Jahre 2013 und 2014 verabschiedet. Mit einem Gesamtvolumen von über 16,3 Millionen Euro hat sich der Etat gegenüber den Vorjahren verdoppelt. Grund dafür ist die Trägerschaft für die 21 evangelischen Kindertagesstätten zwischen Coppenbrügge und Söhlde, die der Kirchenkreis im vorigen Jahr übernommen hat. Die Kitas schlagen mit rund acht Millionen Euro zu Buche. Unterm Strich sind die geplanten Einnahmen und Ausgaben des Kirchenkreises ausgeglichen.

„Nicht Zahlen, sondern der Geist bestimmt unser Tun“, gab der Vorsitzende Christoph Bauch die Richtung im Tagungssaal des Hildesheimer Kirchenamtes vor. Es war ein kritischer Geist, der sich dann doch sehr intensiv mit dem Zahlenwerk beschäftigte, bevor eine breite Mehrheit ihre Zustimmung gab. Für Verunsicherung sorgte vor allem die Tatsache, dass die Rechnungsabschlüsse der Jahre 2011 und 2012 noch nicht vorliegen.

So ist der neue Haushaltsplan ein Entwurf, der auf der Hoffnung beruht, dass frühere Zahlenspiele aufgegangen sind. „Wir sind alle miteinander ein ganzes Stück weit im Blindflug“, räumte Pastor Thomas Müller aus Salzhemmendorf ein, der dem Finanz- und Planungsausschuss vorsteht. Ursache ist ein neues Buchungssystem, das die Landeskirche – parallel zu den Kommunen – einführt. Die Umstellung auf die so genannte Doppik hat die Verwaltung im Kirchenamt vor unerwartete Probleme gestellt. Der Haushalt sei aber so gestrickt, dass im Zweifelsfall mehr Geld zur Verfügung stehen werde als geplant und keinesfalls zu wenig, so Markus Melzer, Mitarbeiter des Kirchenamtes. Insgesamt ist Cordula Stepper, kommissarische Leiterin des Kirchenamtes, optimistisch: 'Wir sind auf einem guten Weg, bis zum Jahresende die wesentlichen Probleme der Doppik zu lösen.'

In einem Punkt wird sich die Haushaltsführung des Kirchenkreises in Zukunft immerhin vereinfachen. Nach der Fusion der Alt-Kirchenkreise Alfeld und Hildesheimer Land zum 1. Januar 2011 hatte es Befürchtungen gegeben, dass der damals finanziell weniger gut aufgestellte Alfelder Bereich Personalkosten aus Rücklagen des Hildesheimer Landes begleichen könnte. So gab es zwar nach der Fusion einen gemeinsamen Etat, doch es wurde weiterhin getrennt Buch geführt. Nun beschloss der Kirchenkreistag einstimmig ein Ende der doppelten Rechnungsführung: Durch eine Rosskur haben die Gemeinden des Alfelder Amtsbezirks ihre Probleme bei den Personalkosten in den Griff bekommen, beide ehemals getrennten Bereiche wirtschaften kostendeckend, so dass es mit einer gemeinsamen Finanz- und Stellenplanung weitergehen kann.

Eine kontroverse Diskussion entspann sich bei der Frage, wie die diakonische Arbeit in Zukunft organisiert werden soll. Die Diakonie ist seit einigen Jahren keine Kirchenkreis-Aufgabe mehr, sondern wird vom gemeinsamen Kirchenkreisverband mit Hildesheim-Sarstedt verantwortet. Der umfasst die ganze Region von Sarstedt bis Bockenem und von Alfeld bis Coppenbrügge.

Matthias Böning, Geschäftsführer des Diakonischen Werks Hildesheim, und Diakonie-Pastor Ralph-Ruprecht Bartels stellten ein Konzept vor, das drei „Diakonieräume“ als Schnittstellen zwischen den Ebenen der Gemeinden und des Kirchenkreisverbands einrichten will. Diesem Vorhaben hatte der Kirchenkreistag Hildesheim-Sarstedt im Mai bereits grünes Licht gegeben – Delegierte des Hildesheimer Lands forderten hingegen Nachbesserungen im Konzept. Zudem hat der Kirchenkreis Hildesheimer Land-Alfeld weiterhin einen eigenen Diakonieausschuss, obwohl die Entscheidungsbefugnis beim Verband liegt.

Auch bei den Personalien gab es in der Sitzung Neuigkeiten: Die Nachfolge von Klaus Kastmann in der Leitung des Kirchenamtes ist noch unklar – deshalb habe der Verbandsvorstand bis auf Weiteres Cordula Stepper zur kommissarischen Leiterin ernannt, teilte Christian Castel mit, Superintendent in Elze und Vorsitzender des Vorstands des Kirchenkreisverbands. Seine Alfelder Kollegin Katharina Henking berichtete von Besetzungsproblemen bei der offenen Pfarrstelle in Brunkensen. Die Stelle sei seit April ausgeschrieben, bisher habe sich aber noch keine einzige BewerberIn gemeldet. Die Delegierten wählten Marion Ohlendorf aus Sehlem einstimmig in den Kirchenkreisvorstand, nachdem Rebecca Hamer-Meinen aus Nordstemmen von ihrem Amt zurückgetreten war.