Mehr finanzielle Eigenverantwortung für die Gemeinden

Nachricht Kirchenkreis Hildesheimer Land-Alfeld, 23. April 2013

Kirchenkreistag Hildesheimer Land-Alfeld verabschiedet neue Finanz-Richtlinien

Landkreise Hildesheim und Hameln-Pyrmont. Nach dem Wahlmarathon im März ging diesmal alles ganz schnell beim evangelischen Kirchenkreistag Hildesheimer Land-Alfeld: Einmütig verabschiedeten die 67 Delegierten im Hildesheimer Kirchenamt die neue Finanzsatzung. Auch bei den Richtlinien für die Geldverteilung des Kirchenkreises an die einzelnen Gemeinden herrschte Einigkeit, so dass die Fußballfans unter den Mitgliedern es unverhofft bis zum Anstoß des Champions-League-Schlagers in München an den Bildschirm schafften.

Die so genannten „Zuweisungsrichtlinien“ regeln, wie groß die Budgets der 79 Gemeinden zwischen Ith und Börde ausfallen. Bislang war es so, dass die Gemeinden nur dann Geld für bestimmte Personalkosten bekamen, wenn diese Stellen auch tatsächlich besetzt waren. Wenn beispielsweise Gemeindemitglieder Teile des Küsterdienstes oder der Pflege der Außenanlagen ehrenamtlich übernahmen, hatte die Gemeinde nichts von der Ersparnis, weil das Geld beim Kirchenkreis blieb. In Zukunft werden diese Summen pauschal an die Gemeinden ausgezahlt, die damit eine höhere Eigenverantwortung in ihrer Haushaltsführung auf sich nehmen, Einsparungen behalten und Gelder für andere Zwecke verwenden können.

Ein großes Thema für die Zukunft wird der Umgang mit dem Gebäudebestand sein. Darauf wies Pastor Thomas Müller aus Salzhemmendorf bei den Beratungen zur Finanzsatzung hin. Die Kirche besitzt viele Gemeinde- und Pfarrhäuser, die angesichts rückgängiger Mitglieder- und Pastorenzahlen nicht mehr im selben Umfang wie früher benötigt werden – aber hohe Kosten für Erhaltung und Sanierung mit sich bringen. „Das wird uns künftig wohl noch stärker belasten“, prognostizierte Müller und riet den Gemeinden, frühzeitig darüber nachzudenken, welche Gebäude verzichtbar seien und verkauft werden können. Kirchen sind bisher weitgehend von solchen Überlegungen ausgenommen gewesen, doch Thomas Müller vermutet, dass auf längere Sicht auch Sakralgebäude auf die Liste kommen.

Ein aktueller Knackpunkt ist die Krankenhaus-Seelsorge. In der Klinik Lindenbrunn bei Coppenbrügge ist die Versorgung mit einer halben Stelle über einen Sonderfonds der Landeskirche gut abgesichert. Auch in Gronau und Alfeld bleibt alles beim Alten, doch in Salzdetfurth wird die bisherige halbe Seelsorger-Stelle auf eine Viertelstelle gekürzt. Grund dafür sind entsprechend knappe Zuschüsse der Landeskirche, die sich nach der Bettenzahl richten. Angesichts der Größe der Kliniken in Bad Salzdetfurth sei die Kürzung allerdings keine gute Lösung, so Pastor Matthias Spiegel-Albrecht: „Mit einer Viertelstelle ist es knapp.“ Superintendentin Katharina Henking stimmte zu: „Es ist richtig, die Krankenhaus-Seelsorge ist garstig betroffen durch den Bettenschlüssel der Landeskirche.“ Die Delegierten beschlossen, die Stellenkürzung – wenn möglich – noch zu verhindern, indem der Kirchenkreis sich um Drittmittel von Seiten der Krankenhausträger bemüht.

Auch eine neue Geschäftsordnung beschlossen die GemeindevertreterInnen aus den Landkreisen Hildesheim und Hameln-Pyrmont. Sie folgten dem Vorsitzenden Christoph Bauch in der Ansicht, dass der Kirchenkreistag als höchstes kirchliches Gremium auf regionaler Ebene verbindliche Regeln benötige. Neu ist unter anderem, dass die Sitzungen der Fachausschüsse allen Mitgliedern des Kirchenkreistags offen stehen. Die Öffentlichkeit bleibt bei diesen Ausschuss-Sitzungen weiterhin ausgeschlossen, ist aber beim drei bis vier Mal im Jahr tagenden Kirchenkreistag willkommen.