Bernsteinsee statt Güllegraben

Nachricht Alfeld, 26. Juni 2013

Der Kirchenkreis Hildesheimer Land-Alfeld begrüßt Tschernobyl-Kinder

Alfeld. 21 leuchtende Augenpaare richten sich auf Bernd Beutler, dem das Lächeln nicht aus dem Gesicht weichen will. Erneut lädt der Kirchenkreis Hildesheimer Land-Alfeld Kinder und Mütter aus dem Tschernobyl-Gebiet Gomel in Weißrussland ein, um ihnen vier Wochen Erholung von radioaktiver Strahlung und verseuchtem Trinkwasser zu bieten.

Die Tschernobyl-Hilfe hat eine lange Tradition in Alfeld. Schon seit der Katastrophe 1986 kommen hier einmal im Jahr Kinder aus der Region Gomel bei Gasteltern unter. So viele wie dieses Jahr allerdings noch nie. Auf Initiative von Superintendentin Katharina Henking und dem ehrenamtlichen Organisator Bernd Beutler kamen am Donnerstagmorgen 17 Kinder im Alter von drei bis 14 Jahren, die drei Mütter der Kleinsten und die Dolmetscherin Vera Bogoljubskaja in Hannover Langenhagen an.

Der Plan für die nächsten vier Wochen: Luftveränderung und ein breit gefächertes Freizeitprogramm. Geplant sind unter anderem Grillabende, eine Brockenwanderung, der Besuch des Zoos Hannover, Zelten am Bernsteinsee in der Lüneburger Heide und eine Schifffahrt auf der Weser. Den Flug und die Versicherung bezahlt die Landeskirche, die jährlich ca. 700 Tschernobyl-Kinder nach Niedersachsen einlädt. Der Rest wird über Spenden finanziert.

„Als ich einmal Weißrussland zu Besuch war, zeigte mir Shenja, ein 18-jähriger Junge, der zuvor bei uns in Alfeld war, wo er sich wusch und badete“, erzählt Bernd Beutler. „Es waren die Entwässerungsgräben der Felder – da wo die Gülle und der Regen abfließen. Allerdings durfte er nur alle drei Tage baden, in der Zwischenzeit musste er warten, bis die Pickel wieder verschwanden.“

Umso mehr Freude lösen da kleine, klare, deutsche Bäche bei den Gästen aus. „Letztes Jahr waren wir an der Glene, einem kleinen Gewässer nahe der Lippoldshöhle bei Brunkensen. Die Kinder wuschen sich euphorisch die Gesichter und wollten das Wasser in Kanistern mit in die Heimat nehmen“, schwärmt Beutler. „Da spürt man eine ganz andere Wertschätzung!“

Die vier Wochen in Deutschland, in denen das radioaktive Isotop Cäsium-137 abgebaut wird, beschert den Kindern und Müttern eine Verbesserung des Immunsystems, die wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge etwa ein bis zwei Jahre anhält. Neben dem Erholungs- und Gesundungswert ist die „Aktion Tschernobyl-Ferien-Kinder“ für Bernd Beutler auch ein Gegenpol zur Ellbogengesellschaft: „Mal zuerst an andere denken und nicht an sich selbst. Meine Belohnung ist ein Lächeln beim Ankommen der Kinder, das entschädigt mich für vier Wochen Urlaub, die ich sonst hätte.“

Wer diese Aktionen finanziell unterstützen möchte, kann eine Spende auf das Konto des Kirchenamtes Hildesheim, Stichwort Spendenzweck „Tschernobyl-Ferienaktion Alfeld 2013“ bei der Sparkasse Hildesheim, Konto 7009774, BLZ 25950130 überweisen.