Durchbetete Steine brauchen Leben

Nachricht Nette, 05. Mai 2013

Superintendentin Henking besucht den Gemeindeverband Ambergau

Nette. Am viel sagenden Autokennzeichen HI-RT leicht zu erkennen, ist Pastor Werner Warnecke tagtäglich in seinen Gemeinden unterwegs – zwischen acht Dörfern und sieben Kirchen. Während einer Woche der Visitation hat er Superintendentin Katharina Henking auf seinen Touren mitgenommen. In Gesprächen mit dem Kirchenvorstand, mit ehrenamtlichen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen sowie mit den Ortsbürgermeistern, bei Besuchen im Altenheim sowie im Kinderspielkreis konnte sich die Superintendentin ein Bild machen von den Besonderheiten des Kirchengemeindeverbands Ambergau. Zum Abschluss der Visitation gab es einen festlichen Gottesdienst in der Dreifaltigkeitskirche in Nette.

Seit 2007 sind die beiden Gemeinden Nette-Upstedt und Hary im Kirchengemeindeverband Ambergau zusammengeschlossen. Neben Nette, Upstedt und Hary gehören die Ortschaften Ilde und Klein Ilde, Störy, Bönnien und Bültum dazu. Mit Unterstützung von Lektoren und Lektorinnen gelinge es noch immer, in allen sieben Kirchen des Gemeindeverbands Gottesdienste zu feiern, berichtete Pastor Warnecke. Die rund 1350 Gemeindemitglieder seien seit langem gewohnt, den Gottesdienst im eigenen Dorf zu besuchen, und solche Gewohnheiten änderten sich nicht so schnell.

Doch Veränderungen kommen auf die Gemeinden zu. Die Zahl der Mitglieder nehme ab, die Bevölkerung schrumpfe, gerade auf dem Land, sagte Pastor Warnecke. Er selbst wolle gern bis zu seiner Pensionierung in sechs Jahren im Ambergau bleiben; ob sich die Stelle danach aber wieder besetzen lasse, das sei ungewiss. Auch dass jedes Dorf seine eigene Kirche behalte, sei in Zukunft keine Selbstverständlichkeit mehr, sagte Superintendentin Henking in ihrer Visitationsansprache.

Sie selbst bete am liebsten in der Kirche, dort könne sie sich am besten konzentrieren, Abstand zum Alltag gewinnen. Die Kirche umgebe die Menschen mit „durchbeteten Steinen“, die seit Jahrhunderten Dank und Bitten, Trauer und Freude in sich aufgenommen hätten. Doch ein Gotteshaus müsse auch mit Leben erfüllt sein. Daher sollte sich jeder fragen: Was bedeutet mir meine Kirche? Nutze ich sie, brauche ich sie überhaupt?

Birgit Lillig, die als Vertreterin des Kirchenkreisvorstandes im Kirchenkreis Hildesheimer Land-Alfeld ebenfalls den Gemeindeverband Ambergau kennen gelernt hatte, gratulierte den Gemeinden zu ihren zupackenden, fest verwurzelten Menschen, die handelten anstatt zu meckern. Das seien gute Voraussetzungen, auch einen Wandel zu bestehen.