Maritimer Musikgenuss

Nachricht Alfeld, 04. Juli 2014

Maritimer Musikgenuss Schlagerduo verwandelt die Alfelder Superintendentur in ein Meer aus Schlagern

Alfeld. Jeder weiß: Musik kann Räume öffnen, die scheinbar gar nicht da sind. Imaginationen im Kopf erzeugen. Manchmal passiert es auch umgekehrt: Es öffnen sich Räume für die Musik.

Dass Superintendentin Katharina Henking zum dritten Mal die Räume der Suptur öffnet für die „Kultur in der Suptur“, ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Sie selbst wohnt mit ihrem Mann im ersten Stockwerk des alten Fachwerkhauses am Mönchehof. Es hatte schon etwas von Tradition, als am Samstagabend die Schlagerwelt zu Gast war in Alfeld. Mal wieder war die Eingangshalle der Suptur zu klein. Mal wieder hätte die Luft besser sein können. Mal wieder musste die Wohnungstreppe von Katharina Henking als zusätzliche Tribüne herhalten. Und wieder war es ein unvergesslicher Abend.

Das lag an Wiebke Vielhauer und Kim Nguyen, die mit der „MS Sankt Nicolai“ aufbrachen, um ferne Länder und Kulturen zu erkunden und virtuos musikalisch zu untermalen. Mit Geschichten, Gesang und Klavier. 1994 hat sich das Duo im Studenten-Wohnheim in Göttingen kennen gerlernt und „eine gewisse Liebe zur leichten Muse“ entdeckt, wie Vielhauer verrät. „Spaßeshalber haben wir auf einer Party gespielt, und dann hat sich das über die Jahre weiter entwickelt.“

Vielhauer war bis 2009 Pastorin in der Kirchengemeinde Brunkensen-Hoyershausen. Jetzt predigt die 43-Jährige in der Gemeinde Waake bei Göttingen. Für die „Kultur in der Suptur“ hat sie zusammen mit Nguyen, der extra aus Berlin anreiste, ein „ganz spezielles Programm eigens für diesen Abend zusammengestellt“. Dass die beiden Musiker seit zehn Jahren zum ersten Mal wieder gemeinsam auf einer Bühne standen, hat wohl niemand vermutet.

Die Reise der „MS Sankt Nicolai“ beginnt in Hamburg. Bevor es losgehen kann, muss eine Mannschaft zusammengestellt werden. Das geht am besten „auf der Reeperbahn nachts um halb eins“ mit einer lockeren Version von Hans Albers gleichnamigen Klassiker. Immer wieder verschränken Vielhauer und Nguyen Performance, Geschichte und Klang. Es gibt viele Probleme. Das Ehepaar Schulze-Wedel muss noch von der Kreuzfahrt überzeugt werden. Ohne sie kann das Schiff nicht ablegen. Es folgt das Sehnsuchts-Lied schlechthin: „Komm ein bisschen mit nach Italien“ mit der für den Abend passenden Liedzeile: „Wir tun, als ob das Leben eine schöne Reise wär.“

Dass diese Reise nicht Schiffbruch leidet, dafür sorgt das Schlager-Duo. Aber was heißt Schlager? Das maritime Duo in Frack und rotem Kleid singt keine Schlager, wie sie heute überall aus dem Radio dudeln, sondern anspruchsvolle Swing-, Bossa-Nova- und Chanson-Versionen. Mal auf Deutsch oder – beim Halt in Southampton – auf Englisch. Sängerin Vielhauer, die Superintendentin Henking augenzwinkernd als „Glamour-Girl und Grande Dame á la chanson“ ankündigt, trifft die Töne mit der Zuverlässigkeit eines Echolots.

Und wer am Ende, als die „MS Sankt Nicolai“ auf der Mittelmeerinsel Capri anlegt, nicht wahrhaftig das Gefühl hatte, in einer anderen Welt zu sein, der hat wohl das Schiffshorn nicht gehört. Ahoi! Christoph Möller