„Wahrnehmen und wertschätzen“

Nachricht Almstedt, 18. Juni 2015

Superintendentin Katharina Henking zu Besuch im Pfarrbezirk Almstedt-Möllensen-Petze-Sibbesse / Visitationsgottesdienst am Sonntag

Almstedt/Möllensen/Petze/Sibbesse. Wenn die Superintendentin zu Besuch kommt, ist normalerweise die Kirche der Treffpunkt. Doch in Almstedt hat sich der Kirchenvorstand etwas Neues überlegt. Der Dorfrundgang im Rahmen der offiziellen Visitation durch Katharina Henking startet am Museumsbahnhof von 1901. Und die kleine Gruppe hat Glück: Zufällig ist Michael Dörngen gerade dabei, eine Weiche zu überarbeiten. Das Mitglied der Museumsbahn nimmt sich spontan die Zeit, Bahnhofsgebäude und Waggons aufzuschließen und Spannendes aus der Historie zu erzählen.

Ein gelungener Schlenker, denn ansonsten steht bei Katharina Henkings einwöchiger Visite im Pfarrbezirk Almstedt-Möllensen-Petze-Sibbesse, der von Pastor Claudio Steinert betreut wird, weniger die Geschichte im Mittelpunkt. „Die Zukunft der Kleinstgemeinden ist das große Thema: Wir können wir hier das kirchlich-geistliche Leben erhalten, obwohl die Gemeinden immer kleiner werden?“, sagt die Superintendentin aus Alfeld. Bestes Beispiel ist Möllensen, das mit 66 Mitgliedern die kleinste evangelische Gemeinde innerhalb der Landeskirche hat.

In Almstedt sind es 409 Mitglieder – die Zahl hat sich in den letzten Jahren ebenso wie die der DorfbewohnerInnen rapide verringert. Trotzdem hat die evangelische Gemeinde hier viel investiert: Erst ist die Kirche umfassend saniert worden, und nun kann auch das neue Gemeindehaus eingeweiht werden, das für 136.000 Euro gebaut worden ist.

Für die Gemeinde endet damit eine mehr als vierjährige Periode der Provisorien. Seit das Pfarrhaus Ende 2010 verkauft worden ist, mussten die KonfirmandInnen zum Unterricht nach Petze fahren oder sich in privaten Wohnungen von Kirchenmitgliedern treffen, Vorstand und Frauenkreis tagten ebenfalls privat. „Wie soll da Gemeindeleben stattfinden, das war ja richtig anstrengend“, sagt Kirchenbeiratsmitglied Eicke Knacksterdt. Das neue Gemeindehaus bietet mit 64 Quadratmetern genug Platz für den KonfirmandInnen-Unterricht und alle Versammlungen, im Winter sollen hier auch die Gottesdienste im gemütlichen und warmen Rahmen abgehalten werden. „Ohne Sie würden wir hier heute nicht stehen“, bedankte sich Nadja Modrow vom Kirchenvorstand für die Hilfe der Superintendentin.

Die Perspektiven in Zeiten sinkender Mitgliedszahlen und knapper Kassen prägten die Treffen mit den Gemeindevorständen, die Kritik an Auflagen der Kirchenleitung und an bürokratischen Hindernissen äußerten. Umgekehrt machte Katharina Henking keinen Hehl daraus, dass es nicht leicht sein werde, alle Dorfkirchen zu erhalten. Solch ein offener und ehrlicher Umgang sei ihr wichtig, betonte sie: „Schönrederei ist nicht meine Absicht.“

Mindestens ebenso entscheidend wie die Klärung inhaltlicher Fragen sei für sie der Aufbau eines persönlichen Drahts zu den Gemeinden, der über die Dauer der Visitation erhalten bleibe. „Mir geht es darum, nicht nur vorbeizuhuschen, sondern die Menschen wirklich kennen zu lernen. Es geht ums Wahrnehmen und ums Wertschätzen“, so die Superintendentin. Ihre besondere Anerkennung gilt den Menschen, die sich ehrenamtlich in ihren Gemeinden einsetzen: „Das ist bewundernswert, wie viel Zeit und Kraft in kirchliches Leben investiert werden.“

Ein ausführliches Resümee ihrer Eindrücke in den Kirchenvorständen, Kitas, Jugendtreffs Altenheimen und unterschiedlichsten Kreisen der vier Gemeinden wird Katharina Henking am Sonntag, 21. Juni, im großen Visitationsgottesdienst geben. Er beginnt um 10.15 Uhr in der St.-Nicolai-Kirche Sibbesse. Anschließend wird zum Empfang und zum Gespräch mit der Superintendentin eingeladen. Ralf Neite