Stille in der Kirche, Feiern im Zelt

Nachricht Innerstetal, 15. April 2015

Jugendliche aus der Region Bad Salzdetfurth erleben Osterwoche in Taizé

Innerstetal. „Alternative, Normalos, Schickis – hier gibt es eigentlich alles.“ Während Pia das sagt, blickt sie sich um. Und richtig, nebenan auf der Blumenwiese in französischen Taizé liegen ein paar Jungs in der Sonne, aus kleinen Lautsprechboxen hören sie einen Song von Cro, dem Sänger mit der Pandamaske. Zwei Mädchen tanzen dazu wie im Musikvideo. Und Pia grinst – normalerweise ist es hier ruhiger.

Pia aus Hildesheim und neun weitere Jugendlich aus den Orten um Bad Salzdetfurth sind in der Woche nach Ostern mit der evangelischen Kirchengemeinde Innerstetal nach Taizé gefahren. Kloster könnte man diesen Ort nennen – aber alle sind sich einig: das würde nicht es nicht ganz treffen. Denn Taizé ist beides: Stille und Gebet – und ausgelassenes Fest, sechs Tage hintereinander.

Taizé – seit Jahrzehnten zieht es Jugendliche Menschen zwischen 15 und 29 Jahren aus der ganzen Welt an. Viele von ihnen tragen ein Kreuz in Taubenform als Erinnerung an die Zeit, die sie dort verbracht haben. Lena Meyer-Landrut, Gewinnerin des Eurovision Songcontest, trug so ein Kreuz bei ihren Auftritten.

Drei Mal am Tag wird in der schlichten Kirche Andacht gefeiert. Vormittags treffen sich die Jugendlichen nach Altersgruppen in großen Versammlungszelten, um einem der Brüder der ökumenischen Gemeinschaft von Taizé zuzuhören. Es geht um den Glauben. Und darum, welche Verantwortung die Menschen für die Welt haben. Nachmittags trifft man sich nochmal, diesmal zum Arbeiten, denn jeder trägt in Taizé etwas dazu bei, dass alles funktioniert. Kochen, Abwaschen, Essen austeilen, das Gelände sauber halten, Reparaturarbeiten. Angeleitet werden die Jugendlichen von jungen Erwachsenen, die für einige Wochen oder Monate hier leben.

Vielleicht ist das Besondere des Ortes die Gemeinschaft: „Man kann einfach mit jedem hier ins Gespräch kommen“, beschreibt Yorick aus Heinde seine Erlebnisse. „Man lernt ständig neue Leute kennen. Typen, die man in Hildesheim nie angesprochen hätte. Und hier entdeckt man: Wow, wir haben was gemeinsam.“

Auch die Gebete, die in der großen Kirche gefeiert werden, stehen für das Geheimnis dieses Ortes. Dreimal am Tag erleben die Jugendlichen, wie 3.500 Menschen mucksmäuschenstill werden. Und gelesen wird in vielen Sprachen: Englisch, Deutsch, Französisch, Spanisch, in der Woche nach Ostern auch viele Schweden da – dann erklingt auch diese Sprache in der Kirchschwedisch. Manchmal schweben koreanische oder russische Sätze durch den Raum.

Genauso vielfältig wird auch gesungen: Die eingängigen Gesänge aus Taizé, kurze Melodien, die immer wiederholt werden, werden in allen möglichen Sprachen gesungen. Es sind Melodien, die man nicht wieder aus dem Kopf bekommt. „Ich erlebe das jedes Jahr“, beschreibt der evangelische Pastor Thorsten Buck, der die Jugendlichen auf dieser Reise begleitet. „Da springt mich ein Lied praktisch an. Eine Textzeile, eine Melodie, die wie für mich gemacht ist.“

„Was bleibt, wenn ihr geht?“, will der Pastor von den Jugendlichen wissen. Gelingt es, aus Taizé etwas mit nach Hause zu nehmen? Franziska aus Lechstedt greift die Frage auf und gibt ihr eine andere Bedeutung. „Von mir selber bleibt eine ganze Menge hier. Die ganze Unruhe, die Hektik. Auch Gedanken, die mich belastet haben – das lasse ich hier. Und kann auftanken, gestärkt nach Hause fahren.“