Neue Spielräume für die Kirche

Nachricht Kirchenkreis Hildesheimer land-Alfeld, 17. März 2015

Kirchenkreistag Hildesheimer Land-Alfeld verabschiedet ausgeglichenen Haushalt für die Jahre 2015 und 2016

Landkreise Hildesheim/Hameln-Pyrmont. Christoph Bauch genoss es sichtlich, in den wichtigsten Punkt des Abends einzuführen: Einen „Haushaltsplan, der Spielräume offen lässt, keine Kürzungen enthält und auch noch ausgeglichen ist“ durfte der Vorsitzende des evangelischen Kirchenkreistags Hildesheimer Land-Alfeld ankündigen. Das gut 18 Millionen schwere Finanzpaket für 2015 und 2016 wurde am Mittwochabend von den Delegierten im Hildesheimer Kirchenamt denn auch einstimmig verabschiedet.

Wie es zu der komfortablen Situation gekommen ist, erläuterte der stellvertretende Kirchenamtsleiter Helmut Jost. Die gute Konjunktur und Beschäftigungslage sowie das entsprechend hohe Einkommen wirkten sich auch auf die Kirchensteuer positiv aus. Ein 20-Millionen-Plus in der Kasse der Landeskirche im vorigen Jahr sei die Folge. Für die Jahre darauf werde ein weiterer sanfter Anstieg der Steuereinnahmen erwartet. Erst ab 2021, so die Prognosen, ist mit Einbußen zu rechnen.

Nach vielen Jahren erheblicher Kürzungen bei der Kirche gab Jost mittelfristig Entwarnung: „Wir haben jetzt acht Jahre lang relative Ruhe.“ Einen Geldregen für den Kirchenkreis und die Gemeinden sei allerdings nicht in Aussicht, weil die Landeskirche die Mehreinnahmen in eine Risikorücklage stecken wolle. Und der Verwaltungsmann schränkte ein: „Das Ganze funktioniert nur, wenn sich die Prognosen und Erwartungen erfüllen.“

Auch im Haushalt des Kirchenkreises seien kleinere Rückstellungen als Polster für die Zukunft enthalten, erklärte Pastor Thomas Müller aus Salzhemmendorf. 230.000 Euro werden 2015 auf die hohe Kante gelegt, 2016 sind es noch rund 176.000 Euro. Das dies möglich ist, liege auch am maßvollen und auf die längere Perspektive ausgerichteten Wirtschaften der zurückliegenden Jahre, betonte Müller.

Bei den Einnahmen und Ausgaben machen die 21 Kindertagesstätten des Kirchenkreises den größten Teilbetrag aus: mit 9,6 Millionen Euro pro Jahr mehr als die Hälfte der Gesamtsumme. Gut drei Millionen Euro werden für die Finanzierung der Pfarrstellen benötigt, 2,25 Millionen Euro leitet der Kirchenkreis an die Gemeinden weiter - wobei die Bau- und Sachkosten-Zuweisungen um 15 Prozent über dem Vorjahr liegen, die Gemeinden unterm Strich also mehr Geld bekommen. Hinzu kommen rund 850.000 Euro ergänzende Zuweisungen an die Kirchengemeinden, insbesondere für die Bauinstandsetzung der Kirchen, Pfarr- und Gemeindehäuser.

Der zweite große Punkt der Tagesordnung betraf die diakonische Arbeit im Kirchenkreisverband mit Hildesheim-Sarstedt. Für Einzelfallhilfen in den Gemeinden und Beratungsstellen sowie besondere soziale Projekte soll ab Mitte dieses Jahres ein besonderer Diakoniefonds starten. Der Nachbarkirchenkreis Hildesheim-Sarstedt hatte bereits seine Diakonierücklagen in Höhe von 18.000 Euro in diesen Fonds übertragen, nun gab auch der Kirchenkreistag Hildesheimer Land-Alfeld grünes Licht. Ebenfalls fast 18.000 werden aus den Rücklagen in den gemeinsamen Topf überführt. Der Entschluss enthält außerdem eine Bitte an die Gemeinden, diesen Fonds weiter zu füttern. Aber, so Irmela Wrede vom Diakonieausschuss: „Jede Gemeinde behält ihre finanzielle Freiheit für diakonische Aufgaben.“

Wie wichtig dieses Geld ist, macht die Alfelder Kirchenkreissozialarbeiterin Bettina Mai deutlich. Das Diakonische Werk sei der einzige Wohlfahrtsverband, der in der Fläche vertreten sei, mit Beratungsstellen in Alfeld, Elze, Bockenem, Hildesheim und Sarstedt. Mehr als 600 Klientinnen und Klienten hätten im vorigen Jahr fast 2000 Beratungsgespräche in Anspruch genommen – alleinerziehende Eltern, kinderreiche Familien, Menschen an der Armutsgrenze, alleinstehende Alte und vor allem viele Flüchtlinge. 28.000 Euro seien 2014 als schnelle und unbürokratische Einzelfallhilfen ausgezahlt worden.

Im Personalbereich gibt es Neuerungen für die Gemeinden in Heinde und Hackenstedt. Hier werden PastorInnenstellen umgeschichtet: Pastorin Hanna Wagner in Hackenstedt wird künftig statt einer halben über eine dreiviertel Stelle verfügen, gibt aber die Krankenhausseelsorge in Bad Salzdetfurth ab, die sie bisher mit übernommen hat. Diese Aufgabe, die einer Viertelstelle entspricht, geht nun an Pastor Thorsten Buck aus Heinde. Ralf Neite

Bilder:

Superintendentin Katharina Henking aus Alfeld zum neuen Haushaltsplan: „Wir können erst einmal gut durchatmen.“ Fotos: Neite

Superintendent Christian Castel aus Elze lobte die Einrichtung des neuen Diakonie-Fonds: „Die Idee kam nicht von oben, sondern ist in den Diakonieräumen bottom-up entstanden.“

Helmut Jost führte in den Haushaltsplan für die Jahre 2015 und 2016 ein.

Einstimmig bei zwei Enthaltungen gaben die Delegierten dem Finanzpaket grünes Licht.