Männer 50 Plus sollen die Gitarren wieder aus dem Keller holen

Nachricht Hildesheim, 06. Juli 2015

Kirchenkreistag Hildesheimer Land-Alfeld begrüßt Angebot des Netzwerks Popularmusik der Landeskirche Hannover

Kreis Hildesheim. Die Kinder sind aus dem Gröbsten raus, das Eigenheim ist fertiggestellt, und auch beruflich sind ruhigere Fahrwasser erreicht: Für Männer ab 50 Jahren eröffnen sich oft wieder zeitliche Freiräume. Der richtige Zeitpunkt, um die Gitarre wieder aus dem Keller zu holen oder sich noch einmal hinter das Schlagzeug zu setzen und neue Herausforderungen zu suchen. Die Männer 50 Plus sind die Zielgruppe für einen Band-Workshop, den der evangelische Kirchenkreis Hildesheimer Land-Alfeld anbieten will. Andreas Hülsemann und Pastor Bernd Ulrich Rüter stellten die Projektidee dem Kirchenkreistag vor und stießen bei den Mitgliedern gleich auf breite Zustimmung.

Andreas Hülsemann arbeitet im Netzwerk Popularmusik der Landeskirche Hannover und ist Koordinator des Bandworkshops unter dem Titel „Papa is a rolling stone“. Angesprochen sind alle Männer über 50, die schon etwas Erfahrung mit Bandmusik haben und ein Instrument spielen. An einem Wochenende von Freitag bis Sonntag werden die Teilnehmer in wechselnden Gruppen Musik machen, dazulernen und in der Gemeinschaft dabei viel Spaß haben.

Der Bedarf sei auf jeden Fall da, meint Pastor Rüter, der selbst leidenschaftlicher Musiker ist. Er habe in Gesprächen darüber die Augen der Männer begeistert aufleuchten sehen: „Ich glaube, dass das den Nerv trifft“, sagte er, und: „Nichts gegen Frauen, aber Männer unter sich, das ist noch eine andere Geschichte.“ Die Vorbereitung brauche allerdings einige Monate Vorlauf; Ort und Termin des Workshops stehen noch nicht fest.

Superintendentin Katharina Henking berichtete dem Kirchenkreistag über den Beginn der Bearbeitung und Fortschreibung der Grundstandards des Kirchenkreises. Das klinge zwar sehr trocken, sei aber eine Möglichkeit, die Ziele und Zustände dieser Standards inhaltlich zu prüfen und sich für die weitere Planung Leitlinien zu setzen. Die fünfköpfige Steuerungsgruppe habe damit begonnen, eine Arbeitsgruppe für den Standard Verkündigung und Seelsorge zu bilden.

Diese soll bis Ende des Jahres erste Ergebnisse dem Landeskirchenamt vorlegen. Dann folgen Schritt für Schritt auch die Grundstandards Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, Kirchliche Bildungsarbeit, Kirchenmusik und kirchliche Kulturarbeit sowie Leitung des Kirchenkreises. In den Arbeitsgruppen sollen möglichst haupt- und ehrenamtliche Mitarbeitende aus verschiedenen Regionen des Kirchenkreises vertreten sein.

Gunda Tomanek aus Mehle wurde neu in den Vorstand des Kirchenkreisverbands gewählt. Die 41-jährige Finanzbuchhalterin ist seit drei Jahren in Kirchenvorstand und Kirchenkreistag aktiv und arbeitet in den Ausschüssen Kinder- und Jugendarbeit sowie Gottesdienst, Gemeindearbeit und Kirchenmusik mit.

Da die Ausschüsse Kinder- und Jugendarbeit sowie der Bildungsausschuss sich beide Verstärkung wünschen, und es viele inhaltliche Überschneidungen gibt, werden die Mitglieder auf Beschluss des Kirchenkreistages nun die Voraussetzungen für eine Zusammenlegung zu einem einzigen Ausschuss besprechen.

Superintendent Christian Castel berichtete aus der Landessynode, dass die schon lange praktizierte Zusammenarbeit in Regionen nun auch rechtlich geregelt werden soll. Da der Kirchenkreisverband Hildesheim zu den strukturschwachen Verbänden zähle, könne er auch wieder mit Fördermitteln rechnen. Aus dem Topf der Strukturförderung wurde beispielsweise zuletzt die sehr willkommene Pastorenstelle eines Springers finanziert. Der Kirchenkreis wünsche sich aber für die Zukunft eine langfristige strukturelle Förderung statt immer neuer Projekte.

Der zusätzliche Pastor werde zurzeit dringend gebraucht, denn es gebe einen „Aderlass an guten Leuten“, bedauerte Katharina Henking. Der Fachkräftemangel sei bei der Kirche längst angekommen. Es gebe bereits Vakanzen in Söhlde sowie in Duingen-Coppengrave, auch die Stellen in Nordstemmen und Lamspringe würden demnächst frei.

Wie der Vorsitzende Christoph Bauch ankündigte, plant der Kirchenkreistagsvorstand für den 6. Oktober eine Tagung mit sachkundigen Referenten zum Thema Flüchtlingshilfe. Den Vorschlag nahmen die Mitglieder des Kirchenkreistages gern an. Wiebke Barth

Bilder:

Superintendentin Katharina Henking: Der Fachkräftemangel ist bei der Kirche in der Fläche angekommen. Fotos: Barth

Der Kirchenkreis wünsche sich langfristige Strukturförderung statt neuer Projektförderungen, sagte Superintendent Christian Castel.

Andreas Hülsemann vom Netzwerk Popularmusik der Landeskirche Hannover und Pastor Bernd Ulrich Rüter stellten die Idee eines Bandworkshops für Männer 50 Plus vor.