Freden – Wie an jedem Mittwoch öffnen sich auch an diesem kalten Wintertag um 12 Uhr die Türen des Fredener Gemeindehauses. Drinnen ist es warm, der Geruch nach frisch gekochter Suppe erfüllt den Raum. Die Ehrenamtlichen aus dem Gemeindeverband Region Freden treffen letzte Vorbereitungen für die „Ma(h)lzeit“, während die ersten Gäste bereits eintreffen und freundlich begrüßt werden. Ein Großteil der vorbereiteten Tische ist an diesem Tag besetzt, als Pastor Felix Rinckhoff dazukommt, die Anwesenden begrüßt. Zur Einstimmung auf das gemeinsame Essen und Beisammensitzen liest er eine Geschichte aus dem Kinderbuch „Schnüpperle“ vor, die auch die erwachsenen Besucher gern anhören, wie einige von ihnen erzählen.
„Heute gibt es Kartoffelsuppe mit Bregenwurst“, erklärt Brigitte Bosse, die gemeinsam mit Christa Wiermann, Dorle Bartsch, Ulla Lambrecht und Doris Stübing einen großen Kochtopf auf einem Teewagen in den Raum schiebt. Nachdem die ersten Portionen ausgeteilt sind, kommen die Gäste schnell ins Gespräch: „Ich bin jeden Mittwoch mit dabei und freue mich darüber, hier mit Leuten ins Gespräch zu kommen“, sagt zum Beispiel Christa Schiwek. Die Vorfreude auf schöne Gespräche sei jedes Mal groß und das Essen eine gute Gelegenheit, um zusammenzukommen und nicht einsam zu sein, so die 76-Jährige.
Egal ob jung oder alt – jeder werde bei der „Ma(h)lzeit“ gerne gesehen und aufgenommen. Während sie selbst nur einen fünfminütigen Fußweg entfernt wohne, kämen auch einige von außerhalb des Kernortes dazu. So sind an diesem Tag auch Menschen aus den Ortsteilen Landwehr und Eyershausen zum Gemeindehaus gefahren. Auch der 82-jährige Günter Thiel aus Klein Freden ist regelmäßig Gast bei der „Ma(h)lzeit“: „Ich habe noch keinen Termin verpasst“, betont er. Auch er komme vor allem wegen des Gemeinschaftserlebnisses und finde es gut, dass Felix Rinckhoff als junger Pastor „frischen Wind“ in die Gemeinde bringe, so Thiel. Ein Ehepaar aus Eyershausen sieht noch einen Vorteil an der Aktion: „Wir brauchen nicht selbst kochen und haben noch nette Gesellschaft dabei“, sagen sie. Einsamkeit sei insbesondere bei vielen älteren Menschen ein großes Problem. Dagegen könne das Angebot helfen.
Die „Ma(h)l-Zeit“ findet bereits zum vierten Mal statt. Ursprünglich war sie 2022 im Zuge des Wärmewinters aus der Idee entstanden, die Belastungen durch die enorm gestiegenen Energiepreise infolge des Ukrainekrieges abzufedern. Organisiert wird die Aktion von Ehrenamtlichen aus dem Gemeindeverband. Finanziert wird sie größtenteils aus Mitteln des Kirchenkreises Hildesheimer Land-Alfeld. Das Essen wird von ortsansässigen Gastronomiebetrieben gekocht. Für die Gäste ist die „Ma(h)lzeit“, die noch bis Ostern jede Woche am Mittwoch ab 12 Uhr im Gemeindezentrum St. Georg, Bachstraße 8, stattfindet, kostenlos. Wer möchte, kann eine Spende dazugeben.
Von Thomas Schlenz