Alfeld - Ein besonderes Konzerterlebnis bot sich am Karfreitag in der St. Nicolai-Kirche in Alfeld: Das Jazztrio Kordes–Tetzlaff–Godejohann widmete sich der selten aufgeführten „Easter Suite“ von Oscar Peterson und verband Musik, Lesung und Liturgie zu einer eindrucksvollen Einheit.
Pastor Bernd Ulrich Rüter stimmte die Zuhörenden ein: „Für manche werden das ungewohnte Klänge sein, für manche eine Herausforderung.“ Zugleich ordnete er das Werk inhaltlich ein: Peterson habe die Suite erst komponieren können, als ihm bewusst geworden sei, „dass die Geschichte gut ausgeht“. Gerade angesichts der aktuellen weltpolitischen Lage sei Ostern ein Anlass zur Hoffnung: „Wir brauchen Ostern, um die Hoffnung nicht zu verlieren.“ Am Ende stehe bei Peterson die Gewissheit: „Das Leben wird bestehen.“
Die in neun kurzen Sätzen angelegte Suite entfaltete sich in enger Verzahnung mit der verlesenen Passionsgeschichte. Zwischen den musikalischen Abschnitten trugen Birgit Czaja-Hettwer, Hinrich Diekmann, Iris Laue-Fiedler und Pastor Rüter die biblischen Texte vor. So entstand ein Wechselspiel aus Wort und Klang, das die Ereignisse der Passion nachzeichnete.
Musikalisch zeigte sich die Handschrift des Komponisten Peterson: mal bedächtig und zurückgenommen, dann wieder von tiefer Trauer geprägt, stets mit feinen dynamischen Abstufungen. Besonders eindrücklich gerieten die dramatischen Momente: Nach der Frage „Bist du der König der Juden?“ im Verhör vor Pilatus durchbrach plötzlich lautes Trommeln die Stille – einige Zuhörende schreckten auf. Auch Jesu verzweifelter Ruf „Warum hast du mich verlassen?“ wurde von kraftvoller, aufgewühlter Musik getragen.
Mit dem Abschnitt zur Auferstehung wandelte sich die Klangsprache spürbar: Die Musik wurde heller, bewegter und von vorsichtiger Zuversicht durchzogen. Diese Entwicklung spiegelte Petersons Ansatz, die Passionsgeschichte nicht als Abfolge von Gewalt und Menschenverachtung zu deuten, sondern als Weg zu Versöhnung und Vergebung.
Das Werk selbst nimmt eine besondere Stellung im Schaffen Petersons ein. 1984 für die BBC komponiert und nur einmal fürs Fernsehen eingespielt, gilt die „Easter Suite“ als eines seiner wichtigsten, zugleich aber selten zu hörenden Werke.
Auch die Geschichte des Trios Kordes-Tetzlaff-Godejohann ist eng mit dieser Komposition verbunden: Pianist Olaf Kordes und Bassist Wolfgang Tetzlaff arbeiten seit 2002 zusammen und transkribierten die Suite bereits 2005 aus der einzigen verfügbaren Videoaufnahme. Mit Schlagzeuger Karl Godejohann, der 2006 hinzukam, brachten sie das Werk in der Passionszeit desselben Jahres erstmals in Deutschland zur Aufführung.
Am Ende des Konzerts bat Pastor Rüter, dem Anlass entsprechend auf Applaus zu verzichten und die Kirche in Stille zu verlassen. Zuvor sang die Gemeinde gemeinsam „Verleih uns Frieden gnädiglich“ – ein leiser, aber eindringlicher Schluss. „Nehmen Sie im Herzen mit, was wir gefühlt und erlebt haben“, gab Rüter den Besucherinnen und Besuchern mit auf den Weg.
Unterstützt wurde das Konzert von der Kirchenstiftung „miteinander-füreinander“.