Kirchenkreis/Lamspringe – Wenn Leyla Jahns morgens die Kirche aufschließt, ist sie meist die Erste vor Ort. Die 23-Jährige ist Küsterin in Neuhof im Kirchspiel Lamspringe – und damit weit mehr als nur „die mit dem Schlüssel“. Sie sorgt dafür, dass alles bereit ist, wenn die Gemeinde zusammenkommt: Kerzen stehen ordentlich auf dem Altar, die Blumen sind arrangiert, die Kirche ist sauber, vor dem Eingang sieht es einladend aus.
Jahrzehntelang hatte ihre Großmutter die Aufgabe übernommen. Als vor drei, vier Jahren eine Nachfolge gesucht wurde, war Leyla Jahns längst vertraut mit den Abläufen. Schon als Kind half sie mit, schmückte zu Weihnachten den Tannenbaum oder packte bei besonderen Anlässen an. „Da war ich ohnehin immer dabei“, sagt sie. Also übernahm sie – und führt die Familientradition fort.
Ihre Aufgaben sind vielfältig. Hauptsächlich bereitet sie die Kirche für Gottesdienste vor, achtet auf Sauberkeit, dekoriert und organisiert. Jeden dritten Sonntag im Monat ist regulär Gottesdienst, an Weihnachten und Ostern ist besonders viel los. Dann hilft auch ihre Mutter mit, die sich im Kirchenvorstand engagiert.
Leyla Jahns selbst beschreibt ihre Rolle als eine Mischung aus Hausmeisterin, Organisatorin und Gastgeberin. Sie begrüßt die Menschen, hat ein offenes Ohr, ist „Mädchen für alles“, wenn etwas anfällt. Neben dem Putzen, Planen und Dekorieren gehört auch Technik dazu – ab und zu muss sie die Anlage bedienen oder Abläufe koordinieren. Besonders liebt sie die kreativen Aufgaben: Erntedank schmücken, Weihnachtsdekoration gestalten oder die Kirche für Taufen festlich herrichten. „Wenn es ums Kreative geht, kann ich machen, was ich möchte“, sagt sie. Das Lob der Gemeinde freut sie besonders. Wenn jemand sagt, wie schön alles geschmückt sei, sei das ein gutes Gefühl.
Was Leyla Jahns antreibt, ist die Gemeinschaft. „Ich arbeite gern mit Leuten für Leute“, beschreibt sie ihre Motivation. Sie schätzt die gute Stimmung, die Dankbarkeit und das Miteinander in der Gemeinde.
Ihr Engagement endet nicht an der Kirchentür. Im vergangenen Jahr begleitete sie bereits zum achten Mal eine Konfirmandenfreizeit. Außerdem kümmert sie sich um den Instagram-Auftritt und die Social-Media-Kanäle – eine Aufgabe, mit der sie frischen Wind in die kirchliche Öffentlichkeitsarbeit bringt.
Leyla Jahns wohnt in der Nähe der Kirche. Die Wege sind kurz, die Verbindung ist eng – räumlich wie emotional. Für sie ist die Kirche nicht nur Arbeitsplatz, sondern ein Ort der Begegnung, der Kreativität und der Gemeinschaft. Und wenn sie am Ende eines Gottesdienstes die letzten Kerzen löscht, bleibt oft das Gefühl, dass sich der Einsatz gelohnt hat.
Thomas Schlenz