„Musik, die aus dem Alltag herausholt“
Gewaltige Klangfülle, feine Chormusik und große Emotionen verspricht das Sommerkonzert „Klang der Kathedralen“. Im Gespräch erklärt Kirchenkreiskantor Tobias Langwisch, warum das Publikum keine Vorkenntnisse braucht, weshalb französische Kathedralmusik unter die Haut geht – und warum gerade der Kontrast zwischen monumentalen und stillen Momenten den Reiz des Abends ausmacht.
Herr Langwisch, der Titel „Klang der Kathedralen“ klingt gewaltig. Was erwartet die Besucherinnen und Besucher?
Vor allem ein sehr emotionaler Konzertabend. Wir reisen musikalisch durch große Kathedralräume Frankreichs und Englands – mit Musik, die zugleich feierlich, kraftvoll und manchmal auch ganz zart sein kann. Das Besondere ist die enorme Klangvielfalt: große Chöre, prachtvolle Orgelklänge, aber auch stille, fast intime Momente.
Muss man sich mit Kirchenmusik auskennen, um das Konzert genießen zu können?
Überhaupt nicht. Diese Musik wirkt unmittelbar. Man muss keine musikalischen Fachbegriffe kennen, um von ihr berührt zu werden. Viele Stücke entfalten eine regelrechte Sogwirkung. Gerade wenn Chor und Orgel gemeinsam erklingen, entsteht ein Klang, den man nicht nur hört, sondern fast körperlich erlebt.
Im Mittelpunkt steht die „Messe solennelle“ von Louis Vierne. Was macht dieses Werk so besonders?
Vierne war Organist an der berühmten Kathedrale Notre-Dame in Paris. Das hört man seiner Musik an. Die „Messe solennelle“ ist unglaublich farbenreich und kraftvoll komponiert. Chor und Orgel verschmelzen zu einem fast symphonischen Klang. Man fühlt sich tatsächlich ein wenig wie in einer großen französischen Kathedrale mit ihren gewaltigen Räumen und ihrem Nachhall.
Gleichzeitig hat das Werk aber auch sehr persönliche und berührende Momente. Diese Mischung aus Größe und Innerlichkeit macht die Musik so faszinierend.
Es gibt aber nicht nur monumentale Werke im Programm.
Nein, und genau dieser Wechsel macht den Abend spannend. Ein wunderbarer Gegenpol ist etwa Gabriel Faurés „Cantique de Jean Racine“. Das Stück ist viel ruhiger, wärmer und sehr innig. Viele Menschen empfinden diese Musik als tröstlich oder friedvoll. Nach den großen Klangwellen der Messe entstehen dadurch fast magische Momente.
Auch englische Chormusik steht auf dem Programm. Was unterscheidet sie von der französischen Tradition?
Die englische Musik klingt oft heller und festlicher. Besonders die großen Anthems von Hubert Parry oder Samuel Sebastian Wesley haben etwas Feierliches und Erhabenes. Gleichzeitig besitzen sie eine große Eleganz. Viele kennen zum Beispiel „Jerusalem“, auch wenn sie den Titel vielleicht nicht sofort einordnen können. Diese Musik hat eine enorme Strahlkraft.
Was reizt Sie persönlich an diesem Konzertabend besonders?
Dass die Musik Räume öffnet, innerlich und äußerlich. Kirchenmusik dieser Epoche kann unglaublich atmosphärisch sein. Sie schafft Bilder im Kopf, weckt Erinnerungen oder einfach ein Gefühl von Weite und Licht. Gerade an einem Sommerabend kann das eine ganz besondere Wirkung entfalten.
Warum sollte man sich das Konzert nicht entgehen lassen?
Weil man solche Klangwelten live erleben muss. Eine große Orgel und ein Chor entwickeln im Kirchenraum eine Wirkung, die keine Aufnahme vermitteln kann. Es ist Musik, die einen für eine Weile aus dem Alltag herausholt. Und genau das wünschen sich viele Menschen heute mehr denn je.
Das Konzert „Klang der Kathedralen“ verspricht also große Emotionen?
Ja – aber nicht nur laut und überwältigend. Sondern auch still, leuchtend und berührend. Ich glaube, das Publikum darf sich auf einen sehr besonderen Sommerabend freuen.