Hildesheim - Krankheit, Trennung, ein schwerer Schicksalsschlag: All das kann Familien auch in der Region Hildesheim in existenzielle Notlagen bringen. Dann ist schnelle und unbürokratische Hilfe gefragt. Genau hier setzt die Stiftung Familien in Not (FiN) an, die am vergangenen Donnerstag ihr 20-jähriges Bestehen in der St. Michaelis-Kirche Hildesheim feierte.
Zahlreiche Gäste, Unterstützer:innen und Wegbegleiter:innen waren gekommen, um das Jubiläum zu würdigen. Zu ihnen zählte auch Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies. Gemeinsam mit Stiftungskoordinatorin Jana Kuschel, den Künstlern Laura Braun und Jonas Vogelbacher, der Geschäftsführerin des St. Bernward Krankenhauses, Karen Thiele, sowie Weihbischof Dr. Martin Mahrarens diskutierte er über Armut, gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Herausforderungen, vor denen Familien heute stehen.
Durch den Abend führte Moderator Dominik Schmid, der schilderte, wie belastend schwierige Lebenssituationen für Familien sein können. „Jeder trägt einen Rucksack durchs Leben“, sagte er und betonte, wie wichtig Unterstützung sei, um Krisen zu bewältigen.
Der Vorsitzende der Stiftung, Thomas Buschjohann, erinnerte an die Anfänge von FiN. Entstanden sei die Idee aus einer spontanen Hilfsaktion für eine bedürftige Mutter von drei Kindern. Daraus entwickelte sich vor 20 Jahren die Stiftung.
„Sozialer Zusammenhalt beginnt im Alltag“, sagte Buschjohann. Ziel sei es, gemeinsam mit einem starken Netzwerk Zukunft zu gestalten und „dafür Sorge zu tragen, dass Hildesheim eine Region des Zusammenhalts bleibt“. Sein besonderer Dank galt den Spenderinnen und Spendern sowie allen Engagierten, die die Arbeit der Stiftung seit Jahren tragen.
Wie wichtig diese Hilfe ist, verdeutlichte Stiftungskoordinatorin Jana Kuschel. Viele Betroffene stünden unter enormem Druck. Häufig gehe es um Trennungen, Krankheit, den Verlust eines Partners oder finanzielle Notlagen. „Der erste Schritt ist, Vertrauen herzustellen“, sagte Kuschel. Viele Betroffene befänden sich in einer ständigen Rechtfertigungsschleife. „Sie brauchen sich aber nicht rechtfertigen.“ Gerade Alleinerziehende stünden zunehmend vor großen Herausforderungen. „Es sind Menschen, die arbeiten wollen, aber vor realen Hürden stehen.“
Ministerpräsident Olaf Lies würdigte die Arbeit der Stiftung und aller Ehrenamtlichen. In einer Zeit wachsender Unsicherheit brauche es Orte und Menschen, die Halt geben. „Wir dürfen Menschen nicht abhängen, sondern müssen Zugänge schaffen“, sagte Lies. Entscheidend sei es, „nicht über, sondern mit den Menschen zu reden“.
Auch Weihbischof Dr. Martin Mahrarens hob die Bedeutung solcher Begegnungsorte hervor. Kirche sei ein Ort, „wo Menschen zusammenkommen“. Gesellschaftliche Fragen in den öffentlichen Diskurs einzubringen, sei ein „urchristlicher Auftrag“.
Zum Jubiläum überreichte der Betriebsrat des Unternehmens KSM eine Spende in Höhe von 2.500 Euro. Begleitet wurde die Veranstaltung von einer Kunstausstellung von Schülerinnen der Realschule Himmelsthür sowie einem Gedicht einer Schülerin. Am Ende stand eine Botschaft, die den Geist der Stiftung seit zwei Jahrzehnten prägt: Es lohnt sich, sich für jede Familie, für jedes einzelne Kind einzusetzen.