Weihnachten – Himmel und Erde begegnen sich

Nachricht Kirchenkreis, 24. Dezember 2025
Foto: Thomas Schlenz

Kirchenkreis - Seit 51 Jahren feiere ich Weihnachten. 47 Jahre davon mehr oder weniger bewusst. Rund 25 Jahre davon als Profi. Zehnmal oder mehr war ich Hirte oder König. Selten Josef. Einmal sogar ein trauriger Clown, der sein Weihnachten verloren und es mit liebevoller Hilfe wiedergefunden hat.

Ich sitze auf dem alten Sessel aus dem Wohnzimmer meiner Eltern. Heute steht er in unserem neuen Wohnzimmer und ich schaue auf den Weihnachtsbaum mit leuchtenden echten Kerzen. Bilder und O-Töne in meinem Kopf: Wie damals steht der 10‑Liter-Eimer Wasser griffbereit neben dem Eckschrank. Meinen großen Bruder höre ich die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukasevangelium lesen – eine Mischung aus widerwillig und feierlich, so klingt es für mich. Und doch gehört es dazu.

Jedes Jahr wurde es am Vormittag etwas hektisch: Papa stellte den Baum auf – manchmal aus dem eigenen Garten, manchmal vom Bauern geholt. Immer mit etwas Druck im Topf. Manchmal wurden Äste umgesetzt oder ergänzt, damit der Baum „etwas voller“ wirkt. „Noch etwas nach rechts. So ist gut. Ach nein, von hier aus … noch etwas mehr nach hinten und links!“ Das Bachsche Weihnachtsoratorium in meiner Heimatkirche – so feierlich war es kaum vorher oder nachher in dieser Kirche für mich. Manches Geschenk unterm Baum erinnere ich: eine kostbare Seife für meine Mutter, die ich als Achtjähriger vom Ersparten kaufte. Ein Cashmere-Schal für meinen Vater. Würstchen mit Kartoffelsalat. Das selbst gesungene „O du fröhliche“, mit Blockflöte oder Gitarre begleitet.

Später dann der erste eigene Weihnachtsbaum in der ersten eigenen Wohnung. Mal mehr goldene Kugeln und rote Schleifen, mal mehr rote Kugeln und Strohsterne. Geschmäcker ändern sich. Immer aber: die Weihnachtsgeschichte aus Lukas 2.

Im Rückblick stelle ich fest: Nahezu jede Begebenheit meiner bewusst erlebten Heiligabende kann ich letztlich in dieser Geschichte wiederfinden. Warum? Weil sich in dieser Erzählung vom ersten Weihnachten Himmel und Erde begegnen. Menschlich-allzumenschliche Sorgen begegnen dem Göttlichen. Brüchig gewordene Lebensträume von Menschen werden ergänzt durch ein göttliches Versprechen, das sich erfüllt. Pläne von Menschen werden durchkreuzt. Neues entsteht. Irdische Unzulänglichkeiten werden von himmlischer Vollkommenheit berührt – und dadurch scheint sich beides auf geheimnisvolle Weise zu wandeln, ohne das je Eigene zu verlieren.

Immer wieder fällt ein göttlicher Lichtstrahl in diese Welt – daran erinnert mich jedes Weihnachtsfest. Mittendrin dieser Satz: „Fürchtet euch nicht!“ Bei allem, was euch begegnet – ihr sollt keine Angst haben. Gott ist auf eurer Seite.

Was braucht bei Ihnen in diesem Jahr eine Verwandlung? Wo könnte in Ihnen der Satz „Hab keine Angst“ etwas lösen und in Bewegung bringen? Wo berührt Sie in diesem Jahr das göttliche, himmlische Licht und wärmt? Wo berührt der Himmel für Sie die Erde?

André Dittmann
Superintendent für den Amtsbereich Alfeld
im Kirchenkreis Hildesheimer Land – Alfeld