Springerpastor Peter Dortmund wurde in Hary in den Ruhestand verabschiedet

Nachricht Kirchenkreis, 01. September 2026

„Ich habe gerne in dieser Kirche gearbeitet“

Hary/Kirchenkreis - „Von hier sieht man alles, also auf der Empore während der Predigt Karten spielen ist nicht!“ Mit diesem Satz hatte Pastor Peter Dortmund die Lacher auf seiner Seite. Statt am Lesepult hielt er seine letzte Predigt als Springerpastor im Kirchenkreis Hildesheimer Land-Alfeld oben von der Altar-Kanzel der kleinen Kirche in Hary. Diese war beim Abschiedsgottesdienst gut gefüllt, für etliche Mitfeiernde, die keinen Platz mehr bekommen hatten, wurde der Gottesdienst nach draußen vor die Kirche übertragen.

Aus ganz Südniedersachsen waren Freunde, Kolleg:innen und Wegbegleiter:innen angereist. Die vielen Autos stauten sich bereits auf der Landstraße des kleinen Ortes im Ambergau.

In seiner Predigt griff Pastor Dortmund das Gleichnis vom Barmherzigen Samariter auf, hob die Bedeutung von Menschenwürde und Nächstenliebe hervor, die durch kirchliches Handeln für Menschen erfahrbar werden soll, unabhängig von deren Kultur, Glaube, Herkunft oder Geschlecht. Das Gleichnis gehöre zur DNA eines christlichen Selbstverständnisses.

„Ich möchte eine Lanze für unsere Kirche zu brechen“, so Pastor Dortmund. Ganz ähnlich wie beim Streit der Urgemeinde in Jerusalem, von dem in der Apostelgeschichte erzählt wird, gelte es, Strukturprobleme im Dialog zu lösen. Menschen müssten sich organisieren und in der Sache verbünden. Für die Aufgaben, die da sind, sei die Kirche auch heute die angemessene Organisation.

„Glaube ist mehr als ein Gefühl. Glaube bedeutet, nach außen zu strahlen.“ Und weiter: „Ich habe gerne in dieser Kirche gearbeitet“. Bei seiner Arbeit habe er viel Unterstützung erfahren, von Kirchenvorständen, nebenberuflichen Mitarbeiter:innen und ehrenamtlich Mitarbeitenden. Kirche sei schon immer im Umbruch. „Seien wir stolz auf das, was Kirche ermöglicht“, betonte Dortmund. Und möglich werde dies nur, „weil wir uns organisieren und Menschen spüren, dass sie eingeladen sind“.

Superintendent André Dittmann blickte zurück auf Dortmunds jahrzehntelanges Engagement für die Kirche. Er sei ein „klarer, wertschätzender und überlegter Kollege“, der in komplexen Situationen den Überblick behalten habe, lobte der Superintendent.

Außerdem habe er die Dinge klar beim Namen genannt. Menschen zuhören, ernst nehmen, nicht allein lassen - das mache Pastor Dortmund aus. Liebe habe seinen Dienst getragen.

Auch zahlreiche Wegbegleiter:innen verabschiedeten den Ruheständler mit persönlichen Geschenken und Grußworten. Die Kollegen aus dem Planungsbereich Börde-Freden brachten einen Gutschein für ein Café mit, andere eine Kerze samt Wachsmesser als Anspielung darauf, dass der Kollege Wert auf einen perfekt vorbereiteten Kirchenraum legte. Dr. Holger Schütte aus der Amos-Kirchengemeinde Sibbesse überreichte drei Rosensträucher für den Garten, Sandra Jörns und Sören von Werder aus der Trinitatis-Kirchengemeinde im Ambergau einen Rucksack mit „nützlichen Dingen für den Ruhestand“.

Berührend der spontane Beitrag des Cousins und Kollegen Reinhard Fiola aus dem gemeinsamen Heimatort Wrisbergholzen. Er sei stolz, dass aus dem einst „kleinsten“ von vier Cousins ein „ganz Großer“ geworden sei.

Und noch ein ungewöhnlicher Beitrag von Jürgen Hartmann, dem Organisten in Dortmunds erster Pfarrstelle in Stöckheim bei Northeim: Erst ein Gedicht, im Anschluss ein fetziges und stimmungsvolles Orgelstück.

In seinem Schlusswort gab Dortmund eine humorvolle Begründung für seine „Rente mit 65“: Er präsentierte einen kleinen wassergefüllten Flummi-Ball, seinerzeit bei der Verabschiedung aus der vorherigen Pfarrstelle von Superintendentin Christiane Nadjé-Wirth eine Anspielung auf die bevorstehende „Springer“-Tätigkeit. Dieser habe im Laufe der letzten Jahre auf wundersame Weise etwas von seiner Wasserfüllung und damit an „Spannkraft“ verloren. Die symbolische Übertragung auf ihn bliebe jedem und jeder selbst überlassen  - und sofort erfüllte erneut herzliches Lachen die Kirche.

Musikalisch gestaltet wurde der Abschied vom Bläserchor Ambergau unter der Leitung von Dr. Danielle de Jong-Bolm, der Kantorei Ambergau, geleitet von Johannes Höing und an der Orgel von Isolde Winter, Organistin der Amos-Kirchengemeinde Sibbesse.

Thomas Schlenz