Podiumsdiskussion zum Thema Nachwuchs fürs Ehrenamt

Nachricht Nordstemmen, 22. Oktober 2026

Nordstemmen - Wie lassen sich junge Menschen für ein Ehrenamt begeistern? Was motiviert sie, Verantwortung zu übernehmen, welche Rahmenbedingungen brauchen sie, um Ideen umzusetzen?

Mit diesen Fragen beschäftigte sich kürzlich eine Podiumsdiskussion in der Nordstemmer Kirche. Auf Einladung der Kirchenstiftung St. Johannis diskutierte Pastor Kay Oppermann mit der Bundestagsabgeordneten Daniela Rump (SPD), Kirchenvorstandsmitglied Marlen Albrecht, dem Ortsbürgermeister von Heyersum, Jonas Schefe und Jonas Schwedhelm, Vorstandsmitglied im Blasorchester Burgstemmen, sowie Superintendentin Franziska Albrecht. Organisiert wurde die Veranstaltung von der Kirchenstiftung St. Johannis.

Im Laufe des Abends wurde klar: Ehrenamtliches Engagement bietet die Möglichkeit, Gemeinschaft zu erleben, eigene Fähigkeiten einzubringen und persönlich zu wachsen.

Dass freiwilliges Engagement auch die eigene Entwicklung fördert, zeigt der Weg der Bundestagsabgeordneten Daniela Rump (SPD). Über die Schülervertretung kam sie in den Landesschülerrat, wo sie bereits als Jugendliche an politischen Diskussionen teilnahm. Bis heute engagiert sie sich im Vorstand des Kinderschutzbundes. In der Politik sei ihr wichtig, die Anliegen junger Menschen stärker zu berücksichtigen.

Von ähnlichen Erfahrungen berichtete Jonas Schefe. Seine Ausbildung zum Dorfmoderator helfe ihm bis heute, Menschen und ihre Anliegen besser zu verstehen.

Wie bereichernd ein Ehrenamt sein kann, schilderte die 22-jährige Marlen Albrecht, die sich bereits seit ihrer Kindheit in der Kirchengemeinde engagiert. „Ich habe das Gefühl, dass ich so angenommen werde, wie ich bin und erfahre viel Dankbarkeit“, sagte sie. Gemeinsam mit anderen jungen Ehrenamtlichen brachte sie kürzlich das Musical Hiob – Trust auf die Bühne. Mehr als 1000 Menschen besuchten die Aufführungen.

Für Marlen Albrecht ist entscheidend, dass sie ihre Fähigkeiten für andere einbringen kann. Um junge Menschen zu erreichen, setzt sie neben persönlichen Gesprächen auch auf soziale Medien. So habe sie Jugendliche für kirchliche Projekte gewinnen können, die zuvor kaum Berührungspunkte mit Kirche hatten.

Jonas Schwedhelm sieht in der Gemeinschaft einen wesentlichen Antrieb für freiwilliges Engagement. Als Musiker im Blasorchester Burgstemmen weiß er, wie wichtig das Miteinander ist: „Neben der Musik sind mir die Menschen wichtig, mit denen ich Zeit verbringen kann.“ Damit sich noch mehr Menschen engagieren, wünscht er sich weniger Bürokratie, mehr digitale Möglichkeiten und Offenheit für neue Ideen.

Welche zentrale Bedeutung freiwilliges Engagement für die Kirche hat, erläuterte Superintendentin Franziska Albrecht. „Wir sind bereits eine Kirche des Ehrenamts“, betonte sie. Die Landeskirche Hannovers zähle rund 100.000 Ehrenamtliche, darunter etwa 8500 Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher. Dem stünden derzeit rund 1400 hauptamtliche Pastorinnen und Pastoren sowie etwa 400 Diakoninnen und Diakone gegenüber.

Mit Blick auf die absehbar sinkende pfarramtliche Präsenz werde es künftig noch wichtiger, Ehrenamtliche zu stärken und professionell zu begleiten. Dafür brauche es verlässliche Unterstützung und Freiräume, in denen Menschen ihre Ideen verwirklichen könnten. Ebenso seien praktische Hilfen sinnvoll: Neben der Erstattung von Auslagen, wie Fahrtkosten, und die schon praktizierten Aufwandsentschädigungen in bestimmten Bereichen, sei aber auch der Blick auf mögliche Hinderungsgründe für ein Engagement wichtig. Ihre beruflichen Erfahrungen im Gemeindepfarramt im ländlichen Raum hätten den diakonischen Blick auf Fragen des Ehrenamts geschärft. Wer zum Beispiel Alleinberziehende fürs Ehrenamt begeistern möchte, müsse sich fragen, ob im Gegenzug Unterstützung bei der Kinderbetreuung ermöglicht werden kann.

Menschen könnten viel bewegen, wenn sie Verantwortung übernehmen und Gestaltungsmöglichkeiten erhalten. Junge Menschen müssten deshalb erleben, dass ihre Meinung zählt und dass sie tatsächlich etwas verändern können. „Redet mit ihnen und fragt, was sie sich vorstellen und wünschen“, riet Albrecht.

Thomas Schlenz