Kirchenkreis – Wenn nur drei Worte ausreichten, um sie zu beschreiben, dann wären es diese: „die gute Seele“: Vor allem im Amtsbereich Alfeld des Kirchenkreises kennt und schätzt man sie für ihre zugewandte und zupackende Art. Unzählige Taufen, Konfirmationen, Trauungen und Beerdigungen hat sie übernommen, Superintendent:innen vertreten, Kirche in all ihren Facetten mitgestaltet.
Am Samstag, 3. Oktober, um 14 Uhr wird die Springerpastorin und stellvertretende Superintendentin Andrea Haase in der Kirche in Grünenplan von Superintendent André Dittmann entpflichtet und nach 26 Jahren Dienst im Kirchenkreis Hildesheimer Land-Alfeld verabschiedet.
Mit ihrem Mann Bernd Rüter, Pastor in der Kirchengemeinde St. Nicolai-Alfeld, der einen Tag später in der Leinestadt in den Ruhestand verabschiedet wird, zieht sie in die Nähe von Göttingen. Im Kirchenkreis Göttingen-Münden wird die 64-Jährige ab November bis zu ihrem eigenen Ruhestand als Springerpastorin weiterarbeiten.
„Ich gehe mit einem weinenden Auge“, sagt Haase. Der Abschied falle ihr nicht leicht. Mit großer Dankbarkeit für das Vertrauen, das ihr all die Jahre entgegengebracht worden sei, blicke sie zurück auf eine spannende Zeit im Kirchenkreis.
Die begann bereits zur Jahrtausendwende, als sie nach Burgstemmen zog, um sich mit ihrem Mann die dortige Pfarrstelle zu teilen. Kennengelernt hatte sich das Paar im Theologiestudium. „Im Hebräischkurs“, so die gebürtige Wendländerin lachend. Nach Vikariat in Kirchhorst und einem Sondervikariat in der Gehörlosenseelsorge, sah es mit Pfarrstellen mau aus.
„Wir gehören zu den geburtenstarken Jahrgängen, waren immer viele“, sagt Haase. Dass sie in den Dienst gekommen sei, habe sie ihrem Mann zu verdanken. „Wir sind unterschiedlich und ergänzen uns gut“, so Haase.
21 Jahre lang blieb das Pfarrhaus in Burgstemmen ihr Zuhause und das ihrer drei Kinder. Tochter Janne wurde sogar im Pfarrhaus geboren. Schnell knüpfte die Familie Kontakte, schloss Freundschaften. „Wir haben gerne dort gelebt“, schwärmt Haase. In der ganzen Zeit sei ihr der persönliche Kontakt zu den Menschen besonders wichtig gewesen: „Mein Herzblut liegt in der Gemeinde. Ich bin gerne Pastorin – und gerne Dorfpastorin.“ Mit ihrem Mann Bernd entwickelte sie neue Gottesdienstformate wie „Zwischen Torte und Tatort“, leitete eine Krabbelgruppe und baute einen Besuchsdienst auf.
Im Jahr 2015 kam nach dem Kontakt zu zwei gehörlosen Menschen die Gehörlosenseelsorge hinzu. Haase unterrichtete bis 2019 am Landesbildungszentrum für Hörgeschädigte in Hildesheim und begleitete die dortige Gehörlosengemeinde, dies noch bis 2024. „Die Gebärdensprache und was diese Menschen leisten, fasziniert mich bis heute. Meine Konfis müssen immer das Vaterunser in Gebärden lernen“, sagt sie schmunzelnd.
2019 bewarb sie sich auf die zweite Springerpastorenstelle im Kirchenkreis. Ein neuer beruflicher Abschnitt. Mit ihrem Dienstwagen, einem kleinen schwarzen Skoda hat sie seitdem dienstlich über 100.000 Kilometer quer durch den Kirchenkreis zurückgelegt. Dazu kamen viele Vakanzvertretungen.
„Als Springerpastorin kommt man als Fremde in eine Gemeinde“, erklärt sie. Umso mehr berühre sie das Vertrauen, dass ihr von den Menschen entgegengebracht werde. „Sie erzählen Schönes und Schwieriges, manchmal auch sehr Tragisches. Das geht auch an gestandenen Pastorinnen nicht vorbei“, sagt sie nachdenklich.
Auch die Konfirmandenarbeit habe ihr sehr am Herzen gelegen: „Obwohl man sich, wenn man älter wird, von der Lebenswelt der Jugendlichen entfernt. Aber einige finden das auch cool, ich bin für sie so etwas wie die Konfi-Oma“, beschreibt es Haase. Und ohne das große Engagement der vielen Kirchenvorsteher und Kirchenvorsteherinnen wäre die Arbeit in mehreren Gemeinden undenkbar.
2019 kam auch die Aufgabe als stellvertretende Superintendentin für den Amtsbereich Alfeld hinzu. Während der zwei Vakanzen in der Leitung des Kirchenkreises übernahm sie unter anderem Einführungen und Verabschiedungen von Pastor:innen. Sie stand in engem Austausch mit Superintendentin Henking und nun auch mit Superintendent Dittmann. Die Gemeinden für die Zukunft gut aufzustellen, war ihr immer ein großes Anliegen. Als ihr Mann Bernd Rüter 2021 die Pfarrstelle in Alfeld übernahm, zog sie schließlich mit ihm ins dortige Pfarrhaus.
Was ihr im Kirchenkreis künftig am meisten fehlen wird? „Die Menschen“, sagt Haase ohne zu zögern. Viele seien ihr in den vergangenen Jahren ans Herz gewachsen. Und natürlich die Kirchen, in denen sie so viele Gottesdienste gefeiert hat.
Thomas Schlenz