Katrin Himmler spricht mit Schüler:innen über Rechtsextremismus

Nachricht Bockenem, 06. November 2026

"Hass ist keine Meinung"

Bockenem - Ihr Großonkel Heinrich Himmler (1900-1945), "Reichsführer SS", war als einer der schlimmsten Naziverbrecher verantwortlich für den systematischen und millionenfachen Mord an den europäischen Juden, an Sinti und Roma, für Kriegsverbrechen und Massaker an der Zivilbevölkerung im Zweiten Weltkrieg. In dieser Woche sprach seine Großnichte Katrin Himmler vor mehr als 100 Schülerinnen und Schülern der Oberschule Bockenem zum Thema „Was tun gegen den Rechtsextremismus?“ Bereits im vergangenen Jahr war sie an die Schule gekommen, um ihre Familiengeschichte vorzustellen.

Eingeladen hat sie diesmal wieder Frank Rüffer, Diakon und Schulseelsorger zusammen mit den Lehrkräften Meike Arz und Navina Hoffmann-Menge. In ganz Deutschland ist die 1967 geborene Politikwissenschaftlerin Katrin Himmler an Schulen unterwegs. Im vergangenen Jahr sprach die Berlinerin über 60-mal vor Schülerinnen und Schülern über die Geschichte ihrer Familie und die aktuelle Bedrohung der Demokratie durch den Rechtsextremismus im Land.

„Früher habe ich mich geschämt, mich mit meinem Namen auch nur vorzustellen“, antwortet sie auf die Frage eines Schülers, wie sie mit einer so dunklen Familiengeschichte umgehe. Geholfen habe ihr die Aufarbeitung der Vergangenheit. „Ich habe das Gefühl, je öfter ich darüber spreche, desto besser kann ich damit umgehen.“ Von den Verbrechen des Großonkels habe sie früh von den Eltern erfahren, die offen und kritisch darüber gesprochen hätten. Lange war jedoch unklar, wie ihr Großvater Ernst (1905-1945), der jüngste der drei Himmler-Brüder, und ihr älterer Großonkel Gebhard (1898-1982) zum Nationalsozialismus standen. „Mein Vater war bei Kriegsende sechs Jahre alt und meine Großmutter hat nie darüber geredet“, erläuterte Katrin Himmler. Sie recherchierte in Archiven und fand heraus, dass auch ihr Großvater und der ältere Großonkel glühende Anhänger der Nationalsozialisten waren. 2005 erschien ihr Buch: „Die Brüder Himmler“, in dem sie sich wissenschaftlich-kritisch mit der eigenen Familiengeschichte auseinandersetzte.

In Ihrem Vortrag gab Himmler den Schüler:innen einen Überblick über heutige Parteien, Gruppen und Unterstützernetzwerke im rechtsradikalen Spektrum. Sie präsentierte, welche Strategien diese verwenden, um Menschen für ihre menschenverachtende und auf Ausgrenzung basierende Ideologie zu gewinnen. Dabei verglich sie die Propagandamaschinerie der Nazis mit den Methoden der heutigen Rechtsextremisten und der sogenannten Neuen Rechten. Häufig nutzen diese Social Media um junge Menschen für sich zu vereinnahmen, wie Katrin Himmler anhand von rechtsextremen Influencer:innen verdeutlichte. „Ihr müsst euch klarmachen, dass auf Social Media jeder ohne Prüfung alles posten kann“, warnte sie und zeigte Internetlinks über die verfassungsfeindliche Posts angezeigt werden können. Den Schüler:innen riet sie, Widerspruch zu leisten gegen rechtsextreme Aussagen: „Zeigt Haltung, sucht euch Verbündete und macht euch klar: Hass ist keine Meinung.“

Thomas Schlenz