Alfeld - Die Kirchenkreiskantorei unter der Leitung von Tobias Langwisch, Popkantorin Hanna Jursch, eine Band mit den eigenen Kindern, dazu mit Andreas Hülsemann, Klaus Händel und Sebastian Bauer weitere Vollblutmusiker an Piano, Saxophon und Kontrabass – voller Musik war der Gottesdienst zur Verabschiedung von Pastor Bernd Ulrich Rüter in den Ruhestand.
Genau passend für einen Pastor, den die Musik, den Jazz und Blues, in seinem Leben begleiten. „So viel Musik zu Gottes Ehren, allen ein großes Dankeschön dafür“, sprach Rüter. Er betonte: „Es geht hier nicht darum, einen Pastor zu feiern, sondern den, dem wir alles zu verdanken haben – Gott“.
Bei seiner letzten Predigt als Pastor von St. Nicolai sah man Rüter an, dass dieser Moment auf der Kanzel auch für ihn ein ganz besonderer war. Die Gemeinde in der gut gefüllten Alfelder Kirche hörte ihm gebannt zu, als er, passend zu Erntedank, an die biblische Erzählung der Speisung der 4000 anknüpfte. Jesus habe sich verantwortlich gefühlt: „Euer Schicksal lässt mich nicht kalt“. Genauso solle uns Menschen heute das Schicksal der Menschen an den Grenzen nicht egal sein.
„Gottes bedrohte Schöpfung kann uns nicht egal sein“, betonte Rüter. Er selbst schrecke nicht davor zurück, Verantwortung zu übernehmen - Nicht wegsehen, sondern hinsehen, nicht herausreden, sondern Verantwortung übernehmen. Das gelte auch in der Kirchengemeinde: „Ohne Sie, ohne Euch geht es nicht“, betonte Rüter.
Obwohl sieben Brote für 4000 Menschen eigentlich viel zu wenig waren, habe Jesus gedankt für das, was da ist. Auf sein eigenes Leben übertragen sagte Rüter, er sei dankbar in einem demokratischen Land zu leben, dankbar für Menschen, die sich für den Glauben einsetzen, dankbar für Freunde und Familie. Dankbar, dass so viele Menschen Anteil am Leben schenken, für Momente wie Andachten in der Kita, zupackende Teamis.
„Dass ich Menschen begleiten durfte, war mir eine Ehre und ich bin dankbar, dass ich diesen Beruf ergriffen habe“, so Rüter. Schließlich blickte er zurück auf den Prozess der Bildung einer Gesamtkirchengemeinde in Alfeld und kam dabei auf den Begriff des Teilens: „Wer Verantwortung übernimmt für andere, freiwillig teilt, kann Anfang eines Wunders sein und alle werden satt.“
Popkantorin Hanna Jursch ließ es zwischendurch richtig soulig werden, als sie den Song „These are the days“ anstimmte. Besonders gerührt zeigte sich Pastor Rüter von den Kindern der Kita Am Mönchehof, die für ihn, der so viele Kindergottesdienste geleitet hatte, einen kurzen Gruß vorbereitet hatten.
Superintendent André Dittmann lobte Pastor Rüters Leistungen in den Gemeinden und im Kirchenkreis: „Ich bin beeindruckt, mit welcher Leidenschaft und Energie Sie die Dinge in Ihrem Verantwortungsbereich angehen und nach vorne bringen.“ Eine Grundfröhlichkeit und der Blick für das, was gerade geht und angezeigt ist, machten Pastor Rüter aus. Die Musik, Blues und Jazz, hätten Rüter dabei geholfen, von Gott, seiner Menschenfreundlichkeit und Nähe zu erzählen und damit die Menschen zu erreichen. Er sei ein Finder von neuen Wegen: „Sie haben die Gabe, in Menschen Neugier zu wecken, gemeinsam Neues zu wagen“, erklärte der Superintendent. Als ein Beispiel nannte der Superintendent Gottesdienste mit dem Pritschenwagen in der Pandemie. Mit Kraft und Energie habe Pastor Rüter seinen Beruf gelebt, „mit Liebe zu den Menschen und zu Gott Menschen in hellen und dunklen Momenten begleitet und geleitet“.
Schließlich habe er mit Besonnenheit und bewusst gewähltem Tempo neue Ideen umgesetzt und sei neue Wege gegangen, wie bei der Umsetzung zweier neuer Körperschaften öffentlichen Rechts, der Dreikirchengemeinde und schließlich der Gesamtkirchengemeinde Alfeld.
Im Lutherhaus folgten zahlreiche Grußworte an den Pastor, darunter als Vertreter des Patronats der Stadt Alfeld Bürgermeister Bernd Beushausen (SPD), der sich für die gute Zusammenarbeit mit Pastor Rüter bedankte. Auch Diakon Jens Pohl für die katholische Pfarrgemeinde St. Marien, die Teamis, drei Lehrerinnen der Grundschule und Ernst Düsing für die Steuerungsgruppe der Gesamtkirchengemeinde und schließlich der Kirchenvorstand um dessen stellvertretende Vorsitzende Ute Bertram bedankten sich bei Bernd Rüter.
Der Text des Duetts von Inga Leicher und Hanna Jursch brachte es auf den Punkt: „Bernie we miss you“.
Thomas Schlenz