Alfeld - Einmal im Jahr lädt das Team Religion der Berufsbildenden Schule (BBS) Alfeld eine Hochschullehrerin oder einen Hochschullehrer eines theologischen Instituts oder einer Fakultät ein, um vor Schülerinnen und Schülern eine Vorlesung mit anschließendem Austausch zu einem gesellschaftlich relevanten und aktuellen Thema zu halten.
Im Rahmen der mittlerweile zehnten BBS Lecture stand das Thema Resilienz im Mittelpunkt. Schulpastor Dr. Matthias Günther begrüßte dazu Dr. Nina Rothenbusch, die Privatdozentin am Institut für Theologie der Leibniz Universität Hannover ist, in der Aula der BBS.
Einige der 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des berufsbildenden Gymnasiums sowie des zwölften Jahrgangs der Fachoberschule machten sich während des Vortrages eifrig Notizen. Denn es kann gut sein, dass Resilienz als Abiturthema noch einmal an Bedeutung gewinnt. Die Gründe für eine Krise können unterschiedlicher kaum sein.
Die verschiedenen Ebenen reichen von körperlichen über berufliche, technologische Krisen, Ereignisse auf Beziehungsebene bis zu globalen wie eine Klimakrise oder Pandemie. Aber eines trifft auf alle zu: Der Auslöser kommt plötzlich und unerwartet. „Die vier Phasen reichen vom Schock über Reaktion, Akzeptanz bis zum Neuanfang“, erläuterte Nina Rothenbusch. Jeder würde für sich entscheiden, wie sich die spezifische Situation weiterentwickelt. „Entweder in der Opferrolle verharren oder den Zustand als Chance nutzen, um etwas zu verändern“, betonte der Gast aus Hannover. Eine große Bedeutung käme auch der Übergangszeit zu. Das ist die Zeit, in der sich grundlegend etwas verändern kann. „Um Krisen gut zu bewältigen, braucht es Resilienz und Übergangsphasen“, erläuterte die Dozentin. Das Abprallen oder Zurückspringen in den Ursprungszustand ließe sich trainieren. Als Beispiele nannte Rothenbusch Entspannung suchen sowie eine körperliche Aktivität. „Sport ist da ein sehr gutes Mittel“, ist die Referentin überzeugt. Das Verlassen der Opferrolle, das Aufbringen von Selbstdisziplin, Emotionen annehmen oder auch für Ruhe sorgen seien ebenfalls förderlich in dem Prozess. Dazu gehöre auch ausreichend Schlaf. Aber auch die Inanspruchnahme von professioneller Hilfe könne auf dem Weg von großer Wichtigkeit sein, wenn alle anderen Optionen nicht erfolgreich verlaufen sind.
„Ebenso ist der Glaube ein zentraler Resilienz-Faktor“, erklärte die Privatdozentin. Zu Beginn hatte Schulleiter Franc Schulz für die vergangenen zehn Jahre gedankt. Der Schulpastor habe immer wieder großes Engagement bei den Vorbereitungen und der Durchführung bewiesen. „Die BBS Lectures sind durch den Stil einer Vorlesung in der Uni zugleich eine gute Möglichkeit, bei dem einen oder anderen die Hemmschwelle herunterzusetzen, wie es später einmal in einem Studium sein kann. Denn da können dann auch schon mal in bestimmten Studiengängen 400 Menschen im Hörsaal sitzen“, erklärte der Schulleiter, der alle dazu ermutigte, Fragen zu stellen und auch etwas für das Abitur sowie das Leben mitzunehmen.
Von Michael Vollmer