Grünenplan/Kirchenkreis - In der kleinen Grünenplaner Kirche war kein freier Platz mehr, die Menschen standen schon in Zweierreihen vor dem Eingang, als die Herbstsonne den Altar in besondere Farben tauchte. Alle waren sie gekommen, um Andrea Haases letzte Predigt als Springerpastorin und stellvertretende Superintendentin im Kirchenkreis Hildesheimer Land-Alfeld zu hören und sie zu verabschieden.
„Heute ist ein Tag, an dem Vieles zusammenkommt. Ein Gottesdienst, der ganz im Zeichen des Danks steht“, sagte sie. Da sei zum einen Erntedank, zum anderen aber der 3. Oktober, Tag der Deutschen Einheit, und natürlich ihre Verabschiedung nach 26 Jahren als Pastorin im Kirchenkreis.
Dabei blickte Haase zurück auf das, was in dieser Zeit gemeinsam geleistet werden konnte. „Ich denke an Manches, was wir miteinander gesät haben“, so Haase passend zum Erntedankfest. Nicht immer sei die Saat aufgegangen. Es gehe gar nicht darum, alles zu schaffen und richtig zu machen. Das „Wir“ sei wichtig, denn in einer Kirche entstehe nie etwas allein. Dabei erinnerte sie an zahlreiche Gottesdienste und Feste. „Wir haben miteinander gelacht und geweint, geplant und umgeplant, manchmal auch gerungen“, sagte sie. Für sie sei es daher nicht leicht, die Menschen im Kirchenkreis zurückzulassen. „Dafür sind es zu viele schöne Geschichten.“ Aber Erntedank heiße nicht festhalten, sondern anschauen, was gewachsen ist. „Andere kommen und werden mit euch weiter säen“, so Haase weiter.
Der Spruch „Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen“ (Psalm 18, Vers 30), den sie sich für die Verabschiedung ausgesucht hatte, sei für eine Springerpastorin naheliegend. Entscheidend seien die Worte: „Mit meinem Gott“ im Sinne von „Ich gehe nicht allein“. Am Tag der Deutschen Einheit bekomme der Satz einen besonderen Klang. „Ich möchte Euch wünschen, dass ihr weiter sät und vielleicht gibt es einen Weg über, durch oder um die Mauer herum“, sagte die Springerpastorin sichtlich gerührt.
Für viele Menschen im Kirchenkreis sei Andrea Haase „wie ein Engel“ gewesen, so Superintendent André Dittmann. „Mit Freundlichkeit, Zugewandtheit, mit offenem Herzen und wachem Blick, Gelassenheit und Präzision“ habe sie Kirche mitgestaltet und mitgeformt und bei vielen Veränderungsprozessen im Kirchenkreis mitgesprochen. Er selbst danke ihr, dass sie als stellvertretende Superintendentin ihr Wissen über den Kirchenkreis mit ihm geteilt habe. „Sie sind in die Herzen der Menschen gesprungen“, nahm Dittmann Bezug auf den von Haase gewählten Bibelspruch. Abschließend dankte er ihr für den geleisteten Dienst in zahlreichen Gemeinden und im Kirchenkreis.
Neben Kirchenkreiskantor Tobias Langwisch und Kirchenkreis-Popkantorin Hanna Jursch ließen es sich auch die erwachsenen Kinder von Andrea Haase, Ole (Cajon), Hauke (Trompete) und Janne (Gesang) nicht nehmen, zusammen mit Vater Bernd Ulrich Rüter (Gitarre) das Publikum in ihren musikalischen Bann zu ziehen. Besonders bewegend war das Orgelnachspiel „Cantabile for you“ (Enrico Cassine) bei dem Hauke Rüter von der Empore aus Trompete spielte und seiner Mutter am Schluss einen angedeuteten Handkuss zuwarf. Auch der Kirchenchor und der Chor „Green Fields“ gaben Stücke aus ihrem Repertoire zum Besten.
Die Konfis zeigten, was sie von „ihrer Pastorin“, die lange in der Gehörlosenseelsorge gearbeitet hat, gelernt hatten und präsentierten das „Vaterunser“ in Gebärdensprache.
Zahlreiche Wegbegleiter:innen sprachen ein persönliches Grußwort, darunter Kirchenvorstand Jürgen Woscholski aus Coppengrave, der an einen Erntedankgottesdienst erinnerte, bei dem Pastorin Haase im Reitstall von einem Holzpferd aus predigte. Dazu hatte er das passende Geschenk, ein Modellpferd mit Pastorin darauf, parat. Kirchenvorstände und Gemeindemitglieder aus Grünenplan und Umgebung hatten keine Kosten und Mühen gescheut und 17! verschiedene Kuchen und Torten für den Ausklang des besonderen Tages im Pfarrhaus gebacken.