Kirchenkreis – „Pastor zur Mitarbeit“ – das ist die ungewöhnliche offizielle Bezeichnung von Kevin Dehne, der seit September in der Ev.-luth. Kirchengemeinde St. Andreas und Matthäi Gronau arbeitet und zunächst ein Jahr lang von Pastor Lars Lukas begleitet wird.
Ungewöhnlich ist sie auch deswegen, weil sie mit einer besonderen Lebensentscheidung zusammenhängt: Dehne, der im evangelischen Umfeld aufwuchs, wurde 2015 im Bistum Hildesheim zum katholischen Priester geweiht. Er arbeitete zuletzt als Pfarrer in Hildesheim. Dann lernte er seine heutige Frau kennen. Da er mit ihr ein gemeinsames Leben führen wollte, entschied er sich für die Liebe. Vor der Heirat endete seine Arbeit beim Bistum und für die katholische Kirche.
„Für mich war das ein Umdenken hinsichtlich meiner beruflichen Entwicklung“, erklärt der 46-Jährige die damalige, für ihn schwierige Situation. Zugleich betont er: „Ich habe der katholischen Kirche viel zu verdanken.“ Seine Entscheidung verstehe er deswegen nicht als Abkehr vom Glauben. Vielmehr wolle er sich offiziell zur Liebe zu seiner Frau bekennen.
Da er beruflich weiter Menschen im Glauben begleiten wollte, nahm Dehne Kontakt zur Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers auf. Dann wurde er an Pastor Lukas vermittelt, der ihn in der Kirchengemeinde aufnahm.
Obwohl er jahrelange Erfahrung als katholischer Priester hat, ist für Dehne am evangelischen Pastorenamt einiges neu. Das fange bei evangelischer Theologie an und reiche über Gottesdienstformen bis hin zu den Strukturen der Kirchengemeinde: „Manches davon muss ich erst einmal verstehen“, gesteht er. In einigen Bereichen müsse er nachstudieren.
„Das gemeinsame Jahr ist eine Zeit des gegenseitigen Kennenlernens und Erprobens“, betont auch Pastor Lukas und dämpft damit mögliche Erwartungen der Kirchengemeinde an die Arbeitskraft eines zusätzlichen Pastors. Aber: Dehne arbeite mit, sammele Erfahrungen und setze sich mit dem evangelischen Pfarramt auseinander. Dazu gehöre zum Beispiel, dass in dieser Phase des Ausprobierens Gottesdienste gemeinsam vorbereitet und nachbesprochen werden.
„Mein Fundament bleibt Jesus Christus“, betont Dehne, der trotz aller Unterschiede viele Parallelen in der kirchlichen Gemeindearbeit sieht, darunter Menschen zuhören, Gottesdienste feiern und die christliche Botschaft weitergeben. „Ich interessiere mich dafür, warum Menschen heute evangelisch sind und was sie dazu bewegt, sich weiterhin in der Kirche zu engagieren. Und ich bin dankbar dafür, dass ich hier sein darf“, sagt Dehne abschließend.
Thomas Schlenz